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Holsteinischer Courier

22. September 2017 | 01:15 Uhr

Jahresbilanz : BG Holstein bremst Kapitalanleger

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Künftig können nur noch bis zu zehn Anteile gezeichnet werden. Für 2015 gibt es vier Prozent Dividende. Investitionen sollen weiter steigen

von
erstellt am 03.Mai.2016 | 08:30 Uhr

Neumünster | Die Sparzinsen fallen und fallen, da dürfen die derzeit 3419 Mitglieder der Baugenossenschaft Holstein doppelt frohlocken: Die Zustimmung der Vertreterversammlung vorausgesetzt, sollen sie – wie in den Vorjahren – eine Dividende von vier Prozent erhalten. Das kündigten Geschäftsführer Frank Natusch und dessen designierter Nachfolger Carsten Henning gestern an.

Was in der Regel als Indiz für ein gesundes Unternehmen gilt, bereitet der BGH-Geschäftsführung kurioserweise zunehmend Kopfzerbrechen: „Wir haben in den vergangenen Monaten immer öfter Anfragen aus ganz Deutschland oder sogar dem Ausland erhalten, die bei uns Anteile zeichnen wollen“, beschreibt Henning einen wachsenden Trend: Angesichts der extremen Niedrigzinsen entdecken offenbar immer mehr Investoren die Genossenschaft als Kapitalanlage. Zwar halten die meisten Mitglieder der BG Holstein – meist sind sie gleichzeitig Mieter – nur zwei oder drei Anteile, erlaubt sind allerdings bis zu 500 Anteile pro Mitglied, immerhin Einlagen bis 75 000 Euro. Natusch und Henning wollen dem jetzt einen Riegel vorschieben und die Anzahl auf zehn pro Mitglied begrenzen. „Wir freuen uns über jedes neue Mitglied, müssen aber darauf achten, dass die Relationen stimmig bleiben“, erklärt Henning. Geld, das als Dividende ausgeschüttet werde, stehe eben nicht mehr für Investitionen zur Verfügung, erläutert Henning.

Bei den Investitionen will die Baugenossenschaft auch 2016 nicht sparen: Insgesamt sollen rund 9 Millionen Euro in den Neubau neuer Wohnungen oder die Sanierung des Bestandes fließen, 2015 waren es 8,8 Millionen. Der Löwenanteil von 4,7 Millionen Euro fließt dabei in das neue Wohnquartier 50 + 7 an der Bahnhofstraße in Boostedt. 27 barrierearme Wohnungen zwischen 53 und 87 Quadratmetern im gehobenen Standard sollen hier bis Mitte nächsten Jahres entstehen.

Für rund 2,1 Millionen Euro wird derzeit das Mehrfamilienhaus Max-Richter-Straße 5-7 von Grund auf neu hochgezogen. Der benachbarte Block Max-Richter-Straße 15-17 war im vergangenen Jahr für 2 Millionen Euro komplett neu erreichtet worden und ist seit Februar wieder vermietet. Eine Zwei-Zimmer-Wohnung kostet in dem öffentlich geförderten Neubau etwa 450 Euro. 2017 und 2018 sollen auch die beiden noch ausstehenden Häuserblöcke Max Richter-Straße 1-3 und Gerhart-Hauptmann-Platz 5 /6 erneuert werden.

Zur energetischen Sanierung stehen bei der BG Holstein vor allem zwei größere Häuser am Meisenweg 48-52 und 53-55 sowie an der Wasbeker Straße 147-153 an. Die Baugenossenschaft investiert rund 2,6 Millionen Euro in 53 Wohnungen. Mieter dürfen sich nach dem Umbau auf neue Heizungen, Fenster und Balkone freuen.

Die Bilanzsumme der Baugenossenschaft Holstein kletterte 2015 auf 61 Millionen Euro (plus 6,4 Millionen), die Eigenkapitalquote sank leicht auf 36,1 Prozent (2014: 36,9 Prozent).

Zum letzten Mal wird Frank Natusch (64) die Jahresbilanz am 7. Juni in der neuen Vertreterversammlung vorstellen. Natusch geht nach 45 Jahren bei der BG Holstein in den Ruhestand. Seinen Posten als geschäftsführender Vorstand übernimmt Vorstand Carsten Henning (39) zum 1. Juli.

 

STANDPUNKT

Bedenkliche  Entwicklung

Um Missverständnissen vorzubeugen, den Anteilseignern der Baugenossenschaft  Holstein ist ihre  ansehnliche Dividende durchaus zu gönnen. Allerdings ist eine Genossenschaft  keine Sparbüchse. Die Suche nach attraktiven Anlagen treibt angesichts momentaner Mickerzinsen am Geldmarkt seltsame Blüten,  aus Sicht der Betroffenen hat das Engagement großer ferner Geldgeber in der Genossenschaft vor Ort aber einen bedenkliche Note. Die Geldgeber wollen Rendite sehen und ziehen sich, wenn die nicht mehr in Aussicht steht, ebenso schnell zurück, wie sie gekommen sind – ohne Rücksicht auf Verluste. Was ist, wenn der Zinsmarkt wieder kippt, die  Zinsen die Dividende der BG Holstein wieder überflügeln  und die Geldgeber schlagartig wieder aussteigen?  –  Die BG Holstein  tut gut daran, die Spielregeln   anzupassen.

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