Niederdeutsche Bühne : Beziehungskomödie mit viel Tempo

Anke (Renate Wedemeyer)  und Karsten (Rolf Jungclaus)  kommen sich auf dem Campingplatz notgedrungen näher.
Anke (Renate Wedemeyer) und Karsten (Rolf Jungclaus) kommen sich auf dem Campingplatz notgedrungen näher.

Gelungene Premiere bei der Niederdeutschen Bühne mit „Rünner to’n Fluss“: ein Stück über Männer und Frauen.

shz.de von
18. November 2013, 07:00 Uhr

Kaum hat sich der Vorhang geöffnet, ist schon alles klar: Hier geht es um Männer und Frauen und die Frage, ob sie zusammenpassen. Denn die 120 Zuschauer der Premiere von „Rünner to’n Fluss“ wurden am Freitagabend gleich zum Auftakt zu Zeugen einer lauten, harten Blitztrennung – und merkten erst nach ein paar Minuten, dass es sogar eine Doppeltrennung war: Denn Anke und Karsten stehen allein auf dem Campingplatz in Südfrankreich, weil ihnen synchron die jeweiligen Ehepartner abgehauen sind. Daraus entwickelt sich bei der Niederdeutschen Bühne (NBN) ein schönes, lustiges Stück um die Liebe.

Da Ankes Mann das Zelt und das Auto mitgenommen hat, zieht sie wie selbstverständlich bei Karsten ein. Dabei ist ihm das gar nicht recht, denn beide könnten unterschiedlicher kaum sein. Sie ist die lebenskluge Busfahrerin, die qualmt und trinkt und flucht und sich nimmt, was sie will; er ist ein staatstreuer Beamter mit Schäfchen-Pyjama, der gern abwäscht und weiße Socken in seinen Sandalen trägt, also kein richtiger Kerl ist, wie Anke findet. Eigentlich kann das nur schief gehen, doch die beiden arbeiten sich aneinander ab, hören sich irgendwann sogar zu und entdecken das Interessante an dem anderen.

Und dann wirft Karsten auch noch die Frage auf, wie viele Ehen wohl schon in Möbelhäusern gescheitert sind. Allein hat er damals in einer halben Stunde alle sieben Lampen für die neue Wohnung gekauft, und mit seiner Frau marschierte er durch zehn Geschäfte und hatte immer noch keinen neuen Deckenfluter fürs Wohnzimmer gefunden. Herrlich komisch. Das ist der Reiz dieser fein gewobenen Komödie von Frank Pinkus: Das Stück bietet einen komödiantischen Schlagabtausch, wenn Anke und Karsten sich ihre geplatzten Lebensträume um die Ohren hauen, aber es ist auch hintergründig. „Ich bin nun mal so!“, sagt Karsten und fordert Anke damit nur noch mehr heraus. „Liebe?“, fragt sie und gibt sich gleich die Antwort: „Gewohnheit ist ja auch nicht so schlecht.“

Birgit Bockmann hat „Rünner to’n Fluss“ für die NBN inszeniert und dafür eine ideale Besetzung am Start: das Schauspieler-Ehepaar Rolf Jungclaus und Renate Wedemeyer, die auch die niederdeutsche Fassung geschrieben hat. Sie haben schon mehrere Zwei-Personen-Stücke auf die Bühne gebracht, und die sind immer sehenswert. Beide verkörpern ihre Figuren sehr gekonnt, gehen hohes Tempo, spielen sich die Bälle zu und zeigen herrlich gekonnt die verschiedenen Gesichter von Anke und Karsten und die Wandlungen in den Köpfen, die sich im Laufe des Stückes ergeben. Gut gemacht!

Es gibt noch acht weitere Vorstellungen: 16. November (15 Uhr), 18. bis 20. und 23. November (20 Uhr), 24. November (16 Uhr, alle in der NBN-Bühne) sowie am 21. und 22. November um 20 Uhr im Theater in der Stadthalle.

Eintrittskarten zum Preis von 9 bis 11 Euro (Schüler und Studenten 5 Euro) sind bei Auch & Kneidl sowie an der Abendkasse erhältlich.

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