Zeitung in der Schule : Bewegende Schülerfahrt nach Auschwitz

„Auschwitz kann man nicht erklären, es ist zu erschütternd.“ Dieser Meinung sind die Schüler der Elly-Heuss-Knapp-Schule nach ihrem Besuch des Vernichtungs- und Konzentrationslagers, das sie gemeinsam mit ihren Lehrkräften besuchten. Ihre Emotionen halten sie auf Plakaten fest.
„Auschwitz kann man nicht erklären, es ist zu erschütternd.“ Dieser Meinung sind die Schüler der Elly-Heuss-Knapp-Schule nach ihrem Besuch des Vernichtungs- und Konzentrationslagers, das sie gemeinsam mit ihren Lehrkräften besuchten. Ihre Emotionen halten sie auf Plakaten fest.

Schüler des Kurses „Gegen das Vergessen“ des 12. Jahrgangs der Elly-Heuss-Knapp-Schule schrieben für das Zisch-Projekt Eindrücke auf.

shz.de von
24. März 2017, 08:15 Uhr

Der Projektkursus „Gegen das Vergessen“ des 12. Jahrgangs der Elly-Heuss-Knapp-Schule hat sich auf eine schwierige Reise begeben. Die Schüler besuchten das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Im Rahmen des Projektes „Zeitung in der Schule“ haben zwei Schülerinnen ihre Eindrücke aufgeschrieben:

„Riemenschneiderstraße, Neumünster. Die Studienfahrt des Projektkurses ,,Gegen das Vergessen“ des 12. Jahrgangs beginnt in den frühen Morgenstunden. Nach einer monatelangen, intensiven vorbereitenden Auseinandersetzung mit Entrechtung, Verfolgung und Vernichtung im nationalsozialistischen Deutschland startet an diesem Tag eine von der Bethe-Stiftung und dem Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk unterstützte Fahrt in das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, den Ort, der wie kaum ein anderer für die beispiellose Grausamkeit und Perfidität des industriellen Massenmordes steht.

Fast symbolisch ist das erste, was die Schüler in Auschwitz wahrnehmen können, eisige Kälte und Düsternis. Das Ziel ist am nächsten Morgen das Stammlager Auschwitz I, welches von der Jugendherberge fußläufig zu erreichen ist. Die Stimmung ist gedrückt, als die Kursteilnehmer durch das Eingangstor mit der trügerischen Aufschrift „Arbeit macht frei“ das Lager betreten. Tausende Häftlingsporträts, Überbleibsel wie Haare, Brillen, Koffer oder Schuhe der ehemaligen Insassen, die Todesmauer im Hof zwischen Block 10 und Block 11 und schließlich die Gaskammer – die Schüler erhalten ein immer deutlicheres Bild des grausamen Verbrechens, das sich durch den Besuch des Vernichtungslagers Birkenau (Auschwitz II) am nächsten Tag weiter verfestigt.

Besonders die überwältigende und erschreckende Größe des Lagers macht dem Kursus emotional schwer zu schaffen, der noch unter dem Eindruck der Fassungslosigkeit die Kunstausstellung des Holocaust-Überlebenden Marian Kolodziej besichtigt. Die Ausstellung in den Kellergewölben eines Franziskanerklosters zeigt in überdimensionalen Formaten tausende abgemagerte, skelettähnliche Menschen mit Häftlingsnummern. Der Schmerz und die Qual der Inhaftierten wird so deutlich greifbar, dass viele Schüler mit den Tränen kämpfen.

Dass Polen aber auch eine ganz andere, wunderschöne Seite besitzt, erfahren die Jugendlichen jedoch spätestens, als sie am nächsten Tag bei strahlendem
Sonnenschein die Stadt Krakau (heute Kraków) erkunden. Während eines Rundgangs im Stadtteil Kazimierz lernen sie mehr über das heutige jüdische Leben, die Kultur und die Küche in der Stadt an der Weichsel. Anschließend findet ein Zeitzeugengespräch statt, in welchem die Schüler ihre Eindrücke vertiefen und Fragen stellen dürfen.

Eine bewegende, schockierende und aufregende Fahrt endet am nächsten Morgen nach einer Stadttour durch Oœwiêcim und dem Besuch einer Synagoge mit der Abreise zurück nach Deutschland.

Obwohl seit den Verbrechen des Naziregimes bereits über 70 Jahre vergangen sind, bewegt die Frage nach dem richtigen Umgang mit der Vergangenheit die Jugendlichen stark. Die Schüler sind sich einig, dass es – besonders angesichts des gegenwärtig in Europa auszumachenden Klimas wachsender Fremdenfeindlichkeit und der Rückwendung zu überwunden geglaubten
nationalistischen Ideen – auch in ihrer Verantwortung liegt, dafür Sorge zu tragen, dass sich Auschwitz nie mehr wiederholt.“


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