Schöffengericht Neumünster : Bewährungsstrafe für Wittorfer Bankräuberin – Opfer leidet noch immer

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Im vergangenen August überfällt eine Frau eine Sparkasse in Wittorf. In Gießen stellte sie sich der Polizei. Die Bankangestellte leidet noch immer unter der Tat.

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23. Mai 2015, 06:00 Uhr

Neumünster | Ein ungewöhnlicher Bankraub wurde am Freitag vor dem Schöffengericht Neumünster verhandelt. Auf der Anklagebank saß eine Frau (64). Laut Anklage tauchte sie am am 21. August 2014 gegen 15.50 Uhr in der Sparkassen-Filiale an der Mühlenstraße in Wittorf auf, wo sie auch ihr Konto hatte. Die Frau brauchte dringend Geld, doch ihr Dispokredit war bis auf fünf Euro ausgereizt. Deshalb forderte sie von einer Angestellten (40) „so viel Bargeld wie möglich, wenn ihr das Leben ihrer Kollegin lieb ist“.

Auch wenn die Angeklagte vor Gericht laut Staatsanwältin „nett und unscheinbar“ wirkte, so versetzte sie während des Überfalls ihr Opfer in Todesangst – mit weitreichenden Folgen.

Bis heute ist nicht klar, ob die kleine weißhaarige Frau eine Waffe dabei hatte. Sie bestritt es am Freitag vehement, aber die Angestellte musste davon ausgehen. Die Bankkauffrau, die als Nebenklägerin auftrat, war damals von einer Kollegin hinzugerufen worden, um zu klären, ob noch Kredit gewährt werden könne. Als die Mitarbeiterin verneinte, sagte die ältere Dame plötzlich: „Dann muss ich eine Bank überfallen.“

„Sie holte aus der Handtasche einen schwarzen Gegenstand und steckte ihn in die Tasche. Ich hielt das für eine Waffe. Anschließend behielt sie auch die Hand in der Jackentasche“, schilderte das Opfer die bangen Minuten.

Erst gab sie der Frau Münzen. Doch die wollte mehr und zwang die Angestellte unter erneuten Drohungen, 1000 Euro vom eigenen Konto abzuheben. Der Zeugin gelang es noch, Alarm auszulösen, doch die Bankräuberin entkam. Sie fuhr mit dem Geld in der Tüte nach München, kehrte dann um. In Gießen stellte sie sich der Polizei und gab 2800 Euro ab – den Großteil der Beute. Am Freitag entschuldigte sich die Angeklagte mit tränenerstickter Stimme. „Es tut mir so leid“, beteuerte sie. Nach ihrer Arbeitslosigkeit waren der gelernten Altenpflegerin die Schulden über den Kopf gewachsen. Mittlerweile hat sie Privatinsolvenz angemeldet und versucht, den Schaden wieder gut zu machen.

Das Gericht verurteilte die Neumünsteranerin, die nicht vorbestraft ist, zu einer zehnmonatigen Haftstrafe, die auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Außerdem muss sie 500 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Die Bankangestellte leidet noch immer unter der Tat. Sie war monatelang in stationärer Behandlung. Erst seit wenigen Tagen ist sie wieder am Arbeitsplatz. Besonders getroffen hatte sie einst auch, dass der Vorfall kurz nach der Tat von vielen Seiten verharmlost wurde. Eine öffentliche Fahndung der Polizei hatte es nach der Flucht der Räuberin zum Beispiel auch nicht gegeben.

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