Amtsgericht Neumünster : Bewährungsstrafe für reumütigen Dieb

justizhammer

Ein 29-Jähriger griff in die Kassen seiner Arbeitgeber und wurde jetzt zu einer Bewähungsstrafe verurteilt. Er räumte alle Taten ein und gelobte Besserung.

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29. Dezember 2017, 10:00 Uhr

Das Urteil ist als Warnschuss gedacht – und zwar als kräftiger. Das Amtsgericht verurteilte einen 29-jährigen Neumünsteraner wegen wiederholten Diebstahls zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten. Die Strafe ist auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, drei Jahre, in denen der Mann mit algerischen Wurzeln sein Leben in den Griff bekommen soll.

Denn darin waren sich die Richterin und die Vertreterin der Staatsanwaltschaft einig: Der Mann hat das Zeug dazu, seine kriminelle Vergangenheit hinter sich zu lassen. Die Reue, die er während der Verhandlung zeigte, nahmen sie ihm ab. „Ich muss ehrlich sein, ich habe diesen Mist gebaut“, gestand der Angeklagte und räumte damit alle ihm zur Last gelegten Taten ein.

Immer wieder hatte er bei unterschiedlichen Arbeitgebern in die Kasse gegriffen, weil ihn private Schulden drückten. Rund 1200 Euro hatte er sich so angeeignet. Seine Gläubiger setzten ihn offenkundig erheblich unter Druck. Das bestätigte ein Zeuge, der mit dem Angeklagten in einem Bekleidungsgeschäft zusammengearbeitet hatte. „Bei mir rief jemand an und fragte nach ihm. Das muss eine erhebliche Drucksituation gewesen sein“, meinte der Zeuge, der den Angeklagten als kompetent und höflich kennengelernt habe.

Der Angeklagte war als Jugendlicher in Mainz ein großes Fußballtalent, wurde jedoch nach einer schweren Verletzung, wie er sagte, aus der Bahn geworfen. Seinen Traum vom Profi-Fußball musste er begraben. Fortan stand er nur mit einem Hauptschulabschluss und ohne Ausbildung da. Mit Tätigkeiten im Einzelhandel und der Gastronomie hielt er sich über Wasser. Dabei gelang es ihm trotz mangelnder Ausbildung immer wieder, verantwortungsvolle Aufgaben zu übernehmen. Finanziell kam er offenbar dennoch nicht klar. „Ich bereue sehr, dass ich damals nur auf die Karte Fußball gesetzt habe“, sagte er.

Neben den Diebstählen ging es vor Gericht auch um mehrere Bahnfahrten, die er ohne Fahrkarte angetreten hatte. Dass er dabei erwischt wurde, hatte er selbst veranlasst. „Ich bin mit meinem Ausweis zum Schaffner gegangen und habe ihm gesagt, dass ich keine Fahrkarte habe, und ihn gebeten zu prüfen, ob ich das Geld in Raten abbezahlen kann“, erklärte er. Statt Ratenzahlung handelte er sich Strafen fürs Schwarzfahren ein, die er nicht begleichen konnte.

Die Staatsanwaltschaft forderte eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 40 Euro. Dabei hielt sie dem Angeklagten zugute, dass er alle Taten eingeräumt hatte und auch einen Teil seiner Schuld gegenüber seinen ehemaligen Arbeitgebern schon aus eigenen Antrieb beglichen hatte.

Dem folgte das Gericht nicht, weil der Mann bereits wegen Betrugs verurteilt worden war. Und auch, weil er wieder eine feste Beschäftigung gefunden hat und um ihn nicht erneut in finanzielle Bedrängnis zu bringen. „Sie sind beruflich integriert und ich habe die große Hoffnung, dass es das jetzt erstmal war“, sagte die Richterin. Sie warnte ihn aber auch, die Bewährung auf die leichte Schulter zu nehmen. Der Angeklagte dazu: „Es tut mir leid, dass das alles passiert ist. Jetzt möchte ich den geraden Weg gehen.“

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