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Gerichtsbericht : Bewährungsstrafe für Ex-Rocker-Chef

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Wegen Hehlerei in großem Stil verurteilte das Schöffengericht zwei Männer.

shz.de von
erstellt am 01.Apr.2015 | 09:00 Uhr

Neumünster | Es scheint ein lukratives Geschäft gewesen zu sein. Laut Anklage sollen zwei Männer (35 und 51) in Neumünster, Kiel und in weiteren Orten von Mai 2007 bis März 2009 immer wieder gestohlene Ware billig eingekauft und gewinnbringend – meist im Internet – verkauft haben. 455 Taten und 39 Lieferanten listete die Staatsanwaltschaft auf. Allein 393 Mal soll es sich um Beute aus Kaufhaus- oder Ladendiebstählen gehandelt haben. Unter anderem tauchten bei den Männern Waren von Rossmann, Otto, Tchibo, Karstadt oder Pearl auf.

Insgesamt erwirtschafteten die Angeklagten mindestens 50  000 Euro mit dem schwunghaften Handel. Die einstige Lebensgefährtin des älteren Angeklagten, die damals ebenfalls an den Geschäften beteiligt gewesen sein soll, ist mittlerweile gestorben. Gestern, rund sechs Jahre nach der letzten Tat, mussten sich die beiden Männer vor dem Schöffengericht wegen gewerbsmäßiger Hehlerei verantworten.

Der ältere Angeklagte, der einst in den Hochzeiten des Rockerkriegs Chef der mittlerweile verbotenen „Bandidos Neumünster“ war und heute nach schwerer Krankheit von Frührente lebt, war damals in dem An- und Verkaufsladen seiner Lebensgefährtin in Kiel tätig. Über das Geschäft sollen einige Ankäufe gelaufen sein, so die Anklage.

Auch der Mitangeklagte, ein Familienvater aus einem kleinen Dorf im Kreis Rendsburg-Eckernförde, arbeitete dort zeitweilig.

Schon vor Prozessauftakt hatte es Gespräche zwischen dem Gericht, der Staatsanwaltschaft und den Verteidigern gegeben. Denn eine lückenlose Aufklärung der zahlreichen Fälle wäre wohl ohnehin nach all den Jahren kaum mehr möglich gewesen. Nach dem fast einstündigen Rechtsgespräch hinter verschlossenen Türen sagte das Gericht schließlich Bewährungsstrafen zu, sofern die Angeklagten einen Teil der Taten gestehen würden.

Der Jüngere räumte schließlich seine Beteiligung an 36 Fällen der dubiosen Geschäfte aus dem März 2009 ein. Daraufhin wurden die restlichen Vorwürfe eingestellt. Das Gericht verurteilte den Mann wegen Beihilfe zu neun Monaten Haft.

Der Ex-Rocker-Chef bekam eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten wegen gewerbsmäßiger Hehlerei in 119 Fällen, die er nach eigener Aussage im Jahr 2008 und 2009 beging. Beide Strafen wurden auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Ein Vorgehen als Bande, wie in der Anklage beschrieben, sah das Gericht im Urteil nicht mehr. Die Gewerbsmäßigkeit hingegen schon. Immerhin hatten die Männer mit den dubiosen Geschäften ihren Lebensunterhalt bestritten. Die Geständnisse führten letztlich dazu, dass der Prozess komplett ohne Zeugen über die Bühne gehen konnte.  

 

 

 

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