Bewährung für den Einbruchsgehilfen

justizhammer

von
22. Mai 2018, 13:40 Uhr

Ein Ganove mit viel Talent, die eigene Rolle herunterzuspielen? Oder ein blauäugiger Mitläufer, der von einem Landsmann ausgenutzt wird?

Im Falle des 29-jährigen Albaners, der sich gestern wegen versuchten Einbruchdiebstahls vor dem Schöffengericht verantworten musste, waren sich Richter und Staatsanwältin schnell einig: Wohl eher Letzteres!

Nur im ersten Moment klangen die magereren Erklärungen des schmächtigen Angeklagten nach billiger Ausrede. Je mehr Schöffen und Staatsanwältin nachhakten, desto klarer wurde, dass der Mann auf der Anklagebank offenbar tatsächlich nur ein willfähriger Gehilfe des geflohenen Haupttäters war.

Mit dem Fahrrad waren die beiden Männer im vergangenen Dezember zu einer Villa im Stadtnorden gefahren. In einer Seitenstraße, so schilderte es der Angeklagte gestern vor Gericht, sei sein Landsmann plötzlich angehalten. Der Freund, den er erst Stunden zuvor kennengelernt hatte, habe ihn aufgefordert, kurz auf die Fahrräder aufzupassen, er sei gleich zurück. Dann habe es nebenan gescheppert und er sei zu dem Haus auf die Terrasse gelaufen. Dort habe ihn der neue Freund aber gleich wieder zu den Rädern zurückgeschickt: Möglicherweise wollte der Einbrecher seinen Komplizen auf der Suche nach Beute nicht dabei haben, vielleicht wollte er auch nur den schnellen Rückzug sichern.

Natürlich sei ihm klar geworden, dass sein neuer Begleiter in das Haus eingebrochen sei, räumte der Albaner auf Nachfrage der Richterin ein. „Damit wollte ich aber nichts zu tun haben!“

Hatte er aber: Das laute Scheppern im Haus hatte einen Nachbarn im Obergeschoss der Villa auf den Plan gerufen. Die Polizei rückte an und stellte den Albaner, der sich in einem Gebüsch neben dem Haus versteckt hatte, mit Hilfe einer Wärmebildkamera. Während der Haupttäter entkam, ging sein Komplize in Untersuchungshaft.

Auch wenn er nur Schmiere gestanden habe, sei er doch Mittäter, erklärte die Richterin dem Albaner. Das Schöffengericht verurteilte den bislang unbescholtenen Mann daher wegen versuchten Einbruchdiebstahls zu zehn Monaten Haft, die zur Bewährung ausgesetzt werden. Zur Auflage machte das Gericht außerdem, dass der Albaner Deutschland umgehend verlassen muss.

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