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Gerichtsbericht : Betrüger vor Gericht: 57 Taten in nur einem Jahr

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Es entstand ein Schaden von 12 000 Euro. Firmen und Familien wurden Opfer.

Neumünster | „Sie sind der klassische Betrüger.“ Mit diesen Worten fasste gestern die Staatsanwältin zusammen, wie sie den Angeklagten (25) sah. Insgesamt 57 Straftaten hatte der junge Mann gerade vor dem Schöffengericht zugegeben – alles Betrügereien unterschiedlicher Couleur, fast alle begangen in einem Jahr. Der Schaden beläuft sich auf rund 12  000 Euro.

Überwiegend von Juni 2013 bis Juni 2014 füllte der gebürtige Kieler, der mittlerweile in Neumünster wohnt, seine private Kasse, indem er Firmen aber auch zahlreiche Privatleute hinters Licht führte. So bestellte er zum Beispiel nach und nach online 60 Tickets für den Heidepark Soltau im Wert von 2500 Euro. Er gab dabei fremde Kontodaten an, zahlte also nicht, verkaufte die Karten aber weiter. Unter anderem traf er sich mit einer Familie am Großflecken und kassierte dort für vier Karten 60 Euro. Alle Käufer mussten später an der Kasse enttäuscht feststellen, dass die Tickets völlig wertlos waren.

Dass er nicht davor zurückschreckte Privatleute zu betrügen, hatte der Mann schon früher gezeigt. Damals wohnte er bei Studenten zur Untermiete. Einer Frau, die gerade ein Auslandssemester machte, stahl er die EC-Karte samt Pin. „Die lag unter der Schreibtischunterlage“, erzählte der Angeklagte. Mit den Bankdaten der Frau verschob er Geld auf andere Konten. Die Sache aus dem Jahr 2011 wurde jetzt ins Urteil mit einbezogen. Doch auch Firmen schädigte er. So wurden bei der Drogerie Rossmann Katzenfutter und Kosmetik bestellt. Außerdem mietete sich der Mann in Hotels ein. Gestern gab er alle Vorwürfe zu. Die Masche war letztendlich für ihn nicht neu. Unter anderem hatte er in Österreich wegen Betrugs in Haft gesessen. Acht einschlägige Vorstrafen zählte die Staatsanwältin.

Die letzte Serie startete offenbar, als der Mann in Neumünster seine Lebensgefährtin kennenlernte. Ohne Ausbildung stand er mittellos da. Er erzählte der Frau jedoch, dass er für die Bundeswehr arbeiten und viel Geld verdienen würde, log, betrog und bestellte sogar mit den Daten der Freundin. Als die Polizei ihn festnahm, flog die Sache auf. Doch bis heute hält die Frau zu ihm. Nach der Untersuchungshaft hat der Mann jetzt eine Ausbildung begonnen und angefangen, seine Schulden abzustottern. Die Umkehr zu einem geordneten Leben hielt ihm das Gericht gestern zugute. Als allerletzte Chance verurteilte es ihn zu einem Jahr und acht Monaten Haft, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurden. Der Angeklagte bedankte sich dafür mit Handschlag. Die Staatsanwältin hatte zwei Jahre und drei Monate Haft ohne Bewährung gefordert.

 

 

 

 

 

 

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erstellt am 06.Mär.2015 | 06:30 Uhr

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