Nordjob : Betriebe werben um den Nachwuchs

Annika Hentschel erläutert Kenneth Dopcke (14) von der Hans-Brüggemann-Schule aus Bordesholm eine Schaltung und die Berufsaussichten als Elektroniker bei den SWN.
Annika Hentschel erläutert Kenneth Dopcke (14) von der Hans-Brüggemann-Schule aus Bordesholm eine Schaltung und die Berufsaussichten als Elektroniker bei den SWN.

Die 11. Berufsfindungsmesse in den Holstenhallen öffnet auch heute noch ihre Pforten. Mehr als 2000 Schüler informieren sich

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04. Juni 2015, 06:30 Uhr

Neumünster | „Ausgerechnet. Finanzamt“ – die Landesverwaltung wirbt mit flotten Sprüchen auf der Nordjob in der Holstenhalle 4 um den Fachkräftenachwuchs von morgen. Die von der Industrie- und Handelskammer zu Kiel veranstaltete Messe für Ausbildung und Studium ist bereits zum 11. Mal in Neumünster und hat auch heute noch von 8.30 bis 14.45 Uhr geöffnet. Mit gut 50 Ausstellern und 2000 angemeldeten Schülern ist die Nordjob noch einmal deutlich größer geworden.

Und das hat laut IHK-Präsident Klaus Hinrich Vater auch handfeste Gründe. „Alle Betriebe müssen sich Gedanken machen, es gibt immer weniger Lehrstellenbewerber“, sagte Vater. Bis Mai registrierten die drei IHK im Land etwa 4900 Ausbildungsverträge. Das liege auf dem Niveau des Vorjahres und zeige die hohe Ausbildungsbereitschaft der Betriebe, so der IHK-Chef. Für junge Leute seien die Chancen auf eine Lehrstelle besser denn je.

Viele Betriebe werden jedoch leer ausgehen. „Jeder dritte Ausbildungsbetrieb kann seine Plätze nicht besetzen“, sagte Vater. Die IHK rechnet damit, dass etwa 3500 Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben. Das liege zum Teil an der mangelnden Ausbildungsreife und an hohen Abbrecherquoten. Vater nannte aber auch den „Akademisierungs-Wahn“ als Grund für die „Fehlentwicklung“. Mit 70 Prozent basiere das Gros der Arbeitsplätze schließlich auf einer beruflichen Ausbildung und nicht auf einem Studium.

Ein Markenzeichen der Nordjob sind die passgenauen verbindlichen Beratungstermine. Das Institut für Talententwicklung, das die Messe vorbereitet, besuchte im Vorfeld alle Vorabgangsklassen an 40 Schulen in Neumünster und dem Umland. Jeder Schüler erhielt da das Messehandbuch, alle Gesprächstermine sind vorab vereinbart. Und das lohne sich auch für die Schüler, sagte Lars-Roderich Stintzing vom Institut. Die Schüler könnten sich durch eine gute Vorbereitung Zertifikate verdienen und hätten mit diesen die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch fast sicher in der Tasche.

Nicole Plickert ist Assistentin der Personalleitung beim Schuh-Großhandel Isa-Traesko. Das Unternehmen aus dem Industriegebiet Süd ist erstmals bei der Nordjob vertreten. „Wir haben tatsächlich Probleme, im klassischen Ausbildungsbereich geeignete Bewerber zu finden“, so Plickert. Isa-Traesko sucht hier vor allem Abiturienten und Fachhochschüler – doch die richten ihre Blicke eher auf die Industrie oder den Bankensektor, nicht auf den Großhandel. Humboldt-Schüler Julian Schmidt-Thomée (17) interessierte sich für das duale Studium, das Isa-Traesko seit kurzem als weitere Ausbildungsmöglichkeit anbietet. „Das hört sich gut an. Berufsausbildung und Studium gleichzeitig, das ist zwar eine Herausforderung, reizt aber“, sagte der Gymnasiast.

„Auch wir als öffentlicher Dienst müssen uns strecken“, sagte die Ausbildungsleiterin der Stadt, Katja Gorzolka. Viele Jugendliche wüssten gar nicht, dass die Stadt auch im gewerblich-technischen Bereich ausbildet, etwa Gärtner oder Abwassertechniker. Carsten Voß von der Berufsfeuerwehr stand ihr zur Seite, hatte aber eine andere Zielgruppe im Blick: Voraussetzung für den Dienst bei der Feuerwehr ist eine bereits abgeschlossene Berufsausbildung.

Bei den Stadtwerken ist Annika Hentschel noch eine Exotin. Die Auszubildende im 3. Lehrjahr ist bei den angehenden Elektronikern die einzige Frau. Auf der Nordjob berichtet sie den Schülern, worauf es in ihrem Beruf und bei der Ausbildung ankommt. „Wir sind sogar schuld, dass die Nordbau in Neumünster ist“, sagt SWN-Ausbildungschefin Erna Husser. Bis 2004 gab es die Nordjob nur in Kiel. Dann regten die SWN an, so etwas auch in Neumünster zu machen. Hier sind die Stadtwerke Messe-Stammkunden. Auch für 2015 sind noch Lehrstellen für Elektroniker und Kraftfahrer frei.  

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