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Vereinsleben : Betreuungsverein dementiert Gerüchte: „Wir machen weiter“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Nach Personalfluktuation gibt es jetzt zwei neue hauptamtliche Betreuer

Neumünster | Wenn alle vier hauptamtlichen Kräfte innerhalb von zwei Monaten einen Verein verlassen, ist das ein herber Schlag. Das bedeutet aber nicht das Aus für den Betreuungsverein Neumünster: „Es gibt Gerüchte, die sich hartnäckig halten, dass es uns nicht mehr gibt. Das stimmt nicht, dem treten wir nachdrücklich entgegen. Wir machen weiter, und wir haben neue Mitarbeiter“, sagt Gisela Schulz (72) aus dem Vereinsvorstand. Sie gründete 1992 den Verein mit, der 130 Mitglieder hat.

Bis zum Sommer 2014 gab es ein „eingespieltes Team“, sagt Gisela Schulz. Dann erfolgte eine geballte personelle Fluktuation. „Darauf hatten wir keinen Einfluss. Zwei hauptamtliche Betreuer haben sich selbstständig gemacht, zwei weitere haben sich beruflich anderweitig orientiert“, sagt sie. Voraussetzung dafür, dass der Verein funktioniere, sei aber hauptamtliches qualifiziertes Personal, und das ist vorhanden: Seit Kurzem sind die Volljuristen Katharina Kernbichler (35) aus Hamburg und Olaf Ohms (45) aus Kiel beim Verein tätig. „Das hat mich interessiert, weil ich mit sozialem Engagement zu tun haben wollte“, sagt Ohms. Bei Katharina Kernbichler war es ähnlich. Die beiden haben als hauptberufliche Betreuer zwei Aufgabenfelder. Zum Einen unterstützen sie die rund 60 ehrenamtlichen Betreuer, geben Hilfestellungen, veranstalten Fortbildungen und Erfahrungsaustausch, schulen sie und stehen ihnen bei schwierigen Situationen mit Rat zur Seite. Sie gewinnen aber auch neue Ehrenamtliche und bereiten sie vor.

Zum Anderen betreut jeder Hauptamtliche bis zu 30 Fälle im Jahr. Die zu Betreuenden werden vom Amtsgericht an den Verein überwiesen. „Es gibt alle möglichen Lebenssituationen, in denen Betreuung notwendig wird. Das können junge Menschen mit Suchtproblemen oder Depressionen sein, aber auch Obdachlose oder demente Menschen“, sagt Ohms. Er und seine Kollegin helfen, die Finanzen zu regeln, Anträge auf Schwerbehinderung oder Pflegegeld bei Behörden oder Krankenkassen zu stellen oder einen Heimplatz zu organisieren. „Wichtig ist, den Wunsch der Betroffenen zu erkennen, soweit das möglich ist. Diese sollten ihre Dinge mit Vorsorge-Vollmachten rechtzeitig regeln, bevor eine Situation eintritt, in der das die Menschen nicht mehr können“, betont Ohms. Leider sei bei vielen dieses Problembewusstsein nicht vorhanden.

Ins Leben gerufen wurde der Verein 1992, als das Vormundschaftsrecht durch das Betreuungsgesetz abgelöst wurde, das die ehemaligen Mündel mit mehr Teilhaberechten ausstattete. Der Verein hat aktuell 60 ehrenamtliche Betreuer – weitere sind willkommen. „Als Betreuer sollte man aufrichtig, motiviert und zuverlässig sein und im Umgang mit Menschen kompetent sein, denn man trifft auf viele verschiedene Typen“, sagt Ohms. Gisela Schulz ergänzt: „Man hört viele Schicksale. Da muss man auch abschalten können.“

Interessierte melden sich unter Tel. 8  53  78  01 (montags bis freitags 9 bis 11 Uhr, donnerstags 14 bis 16 Uhr/Termine nach Absprache).

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erstellt am 04.Aug.2015 | 08:00 Uhr

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