Neumünster : Betreuungsbedarf steigt und steigt

. Aktuell verfügt Neumünster über 709 U3-Betreuungsplätze. 466 der Plätze sind in Krippen und 243 in der Kindertagespflege.
. Aktuell verfügt Neumünster über 709 U3-Betreuungsplätze. 466 der Plätze sind in Krippen und 243 in der Kindertagespflege.

Neumünster erfüllt die vor fünf Jahren eingeführte Quote für unter Dreijährige – dennoch müssen weitere Plätze geschaffen werden.

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30. Juli 2018, 07:34 Uhr

Vor fünf Jahren wurde der Rechtsanspruch der Eltern auf einen U 3-Betreuungsplatz gesetzlich verankert. Neumünster hat seine Hausaufgaben gemacht. „Wir haben das bisher immer noch hingekriegt“, sagt Jörg Asmussen, der Fachdienstleiter Frühkindliche Bildung. Juristische Klagen von Eltern auf Erfüllung dieses Rechtsanspruchs und auf Schadenersatz habe es noch nicht gegeben.

Dabei sind die Herausforderungen heute größer als 2013. Gab es damals 1888 Kinder im Alter bis drei Jahre, sind es heute 2035 Kinder. „Neumünster ist eine wachsende Stadt“, erklärt Asmussen. Sie ziehe durch Arbeitsplätze und Zuwanderung junge Familien mit Kindern an. „Und wir haben wieder eine steigende Geburtenrate“, sagt Asmussen. Die Stadtverwaltung hat darauf mit einem massiven Ausbau der Betreuungsplätze reagiert. So gab es vor fünf Jahren 453 Plätze imU3-Bereich, die Versorgungsquote lag bei 24 Prozent. „Das war zu wenig, aber eine gute Basis“, sagt Asmussen.

Die Marschroute, die 2007 beim sogenannten „Krippengipfel“ von Bund, Ländern und Kommunen ausgegeben worden war, lag bei 35 Prozent. Heute erfüllt Neumünster mit 709 Betreuungsplätzen diese Versorgungsquote in etwa. 466 der Plätze sind in Krippen und 243 in der Kindertagespflege. Die Stadt hat aber ehrgeizigere Ziele als der Krippengipfel. Per Ratsbeschluss hat man sich schon 2014 darauf festgelegt, eine Quote von gut 40 Prozent abzudecken. „Bundesweit geht die Diskussion in Richtung 45 Prozent, weil immer mehr Eltern berufstätig sind und Betreuung benötigen“, sagt Asmussen.

Fachdienstleiter Jörg Asmussen.
Ziehm
Fachdienstleiter Jörg Asmussen.
 

Dem soll auch der gerade erarbeitete neue Kita-Bedarfsplan Rechnung tragen. Er geht im Herbst in die politischen Gremien. Im Dezember hatte die Stadt alle U 3-Wartelisten abgeglichen. „Der bereinigte Bedarf lag da bei 125 Plätzen. 53 Kinder haben ganz akuten Betreuungsbedarf, das sind fünf Gruppen“, so Asmussen.

36 Kitas gibt es in Neumünster, neun davon sind städtisch, 27 in freier Trägerschaft bei 20 unterschiedlichen Trägern. Die Stadt hat in den vergangenen fünf Jahren viel Geld in den Ausbau der U 3-Betreuung gesteckt. Laut Asmussen kostet der Aufbau einer Gruppe mit zehn Kindern rund 450 000 Euro für Bau und Ausstattung. Man sei froh, dass sich das Land und der Bund am Ausbau beteiligt haben. Die Betriebskosten eines U 3-Platzes taxiert das Land auf 1200 Euro im Monat.

Geplant und schon politisch im Rat beschlossen sind ein Neubau mit 10 bis 15 U 3-Plätzen in Tungendorf, das Familienzentrum an der Werderstraße mit 20 Plätzen, 10 Plätze bei der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde an der Tizianstraße und der Ausbau der Kita Wittorf um 5 Plätze. Diese 45 bis 50 Plätze deckten aber gerade den aktuellen Bedarf. Asmussen: „Wir sind in Gesprächen mit Trägern, noch 35 weitere Plätze zu schaffen.“ Zum Flaschenhals wird dabei allerdings das fehlende Personal. Der Markt ist leergefegt.

Elternbeiträge und Sozialstaffel

Bei den Elternbeiträgen liegt Neumünster im Land  fast am günstigsten. Die Stadt begnügt sich  mit einem Kostendeckungsgrad von elf Prozent der Betriebskosten. Im Land liegt der Richtwert bei 33 Prozent. Asmussen: „Unsere Politik sagt: Das ist nicht sozialverträglich.“  Apropos sozialverträglich. Trotz der relativ niedrigen Beiträge fallen 49 Prozent der Eltern unter die Sozialstaffel. „90 Prozent davon sind gänzlich befreit“, sagt Asmussen. ro

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