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Sozialausschuss : Bessere Förderung mit weniger Geld

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Bei den heilpädagogischen Leistungen für Kinder ist Neumünsters Weg ein Vorzeigeprojekt

Neumünster | „Wir können mit weniger Geld mehr Kinder besser fördern.“ Die Rechnung, die die Medizinerin Dr. Maike Benson am Mittwoch im Sozial- und Gesundheitsausschuss aufmachte, geht auf. Seit die Stadt die heilpädagogischen Leistungen für Kinder unter dem Dach des Gesundheitsamtes plant, wurden die Kosten deutlich gesenkt.

„Das Ziel waren aber nicht Einspareffekte, sondern individuelle Heilpläne“, betonte Stadtrat Günter Humpe-Waßmuth. 2008 übernahm die Stadt die zuvor von freien Trägern ausgeübte Diagnostik von frühkindlichem Förderbedarf. Seit drei Jahren bilden die Ärztin Dr. Maike Benson, die beiden Heilpädagoginnen Susanne Claussen und Susanne Kunkat sowie Renate Wagner als medizinische Fachangestellte ein Team im Gesundheitsamt.

Die erste Einschätzung über einen Förderbedarf geben die niedergelassenen Kinderärzte ab. Die Erstberatung der Eltern, heilpädagogische und ärztliche Diagnostik sowie die Empfehlung und Vermittlung passgenauer Hilfen passiert dann im Gesundheitsamt. „Die Zusammenarbeit mit den Kinderärzten, den Kitas und Kindertagespflegestellen und dem Allgemeinen sozialen Dienst ist gut“, sagte Maike Benson. Dieses multiprofessionelle Fallmanagement und Netzwerk sei „landesweit einmalig, wir werden darum beneidet“.

Die Zahl der Kinder mit Förderbedarf steigt. 2013 waren 137 Kinder in der Förderung, im Jahr zuvor waren es nur 127. Durch einen früheren Kita-Start werden Auffälligkeiten auch frühzeitiger erkannt. Die Empfehlungen der Expertinnen im Gesundheitsamt reichen von logopädischen, ergotherapeutischen oder physiotherapeutischen Leistungen bis zur Erziehungsberatung und zur Begutachtung durch einen Kinder- und Jugendpsychiater oder Psychologen. Häufig ist aber auch schon der regelmäßige Besuch einer Kita oder das Kinderturnen im Sportverein hilfreich, um ein Kind in seiner Entwicklung zu fördern.

Die passgenaue Förderung zahlt sich aus. Lagen die Kosten im Jahr 2008 noch bei über einer Million Euro, gingen sie mit dem Projektstart kontinuierlich zurück auf zuletzt 526 000 Euro im Jahr 2013. Das vor Beginn der Umstrukturierung formulierte Einsparziel wurde deutlich übertroffen.

„Erstaunlich: Obwohl die Fallzahlen nahezu konstant bleiben, wurden die Kosten fast halbiert“, sagte Volker Andresen (SPD) und sprach von einem nachahmenswerten „Erfolgsmodell“. Dr. Alexandra Barth, die Leiterin des Gesundheitsamtes, konnte da nur zustimmen: „Wir wollen die beste Hilfe vermitteln, nicht Kosten sparen.“

Kommentar: Erfolgsmodell

Das Bild vom Bock, der zum Gärtner gemacht wird, ist vielleicht zu hart. Aber die Stadt hat alles richtig gemacht beim Entschluss, die Bereiche Diagnostik und Therapie bei heilpädagogischen Leistungen zu trennen. Damit ist ausgeschlossen, dass sich Anbieter von Leistungen selbst die Aufträge zuschanzen können. Das Gesundheitsamt als neutrale und kompetente Instanz hat die Hilfeplanung deutlich verbessert.  Und die finanziellen Effekte sind mehr als vorzeigbar.


 

 

 

 

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erstellt am 28.Nov.2014 | 05:00 Uhr

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