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Holsteinischer Courier

19. Oktober 2017 | 04:37 Uhr

Berührende Filme auf der Bühne

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

170 Besucher sahen mit dem Kurzfilm „Schwentine-Armada“ und „Elise“ zwei besondere Filme im Theater in der Stadthalle

Eindrucksvoll beendete die „Kinobühne“ am Dienstagabend die Saison: Mit dem Kurzfilm „Schwentine-Armada“ und dem Spielfilm „Elise“ brachten die Organisatoren Johanna Göb vom Kulturbüro und Arne Sommer von der Kulturellen Filmförderung Schleswig-Holstein wieder zwei cineastische Besonderheiten auf die Leinwand. Gut 170 Filmfreunde kamen zu den Doppelvorstellungen auf die Bühne des Theatersaals in der Stadthalle.

Beliebt ist die Kultveranstaltung nicht nur wegen ihres Programmkinos, das Filme abseits des Mainstreams zeigt, sondern auch, weil meistens die Filmemacher vor Ort sind und mit den Zuschauern gern ins Gespräch kommen. So war der Kieler Hauke Wendt am Dienstagabend dabei, als die von ihm und dem Neumünsteraner Marc Schulz gemachte Dokumentation „Schwentine-Armada“ das Publikum überraschte.

Die besonders inhaltlich spannende Doku zeigt den einzigen legalen deutschen Wohnhafen in Stickenhörn, der im Kieler Stadtteil Friedrichsort liegt. Der erste Teil einer geplanten Serie zeigt den Hausbootbewohner Ben, der sein Leben nach eigenen Werten gestaltet. Sein Hausboot hat er selbst aus Resten zusammen geschustert und meint über die „beste Wohnung in Kiel“: „Was brauchst du denn zum Leben? Ein Dach über dem Kopf, Essen und Trinken.“

Filmemacher Hauke Wendt ist selbst Teil des „bunten Haufens“, wie er die Wohngemeinschaft auf dem Wasser nennt. Er meinte: „Da leben etwa 15 bis 20 Leute dauerhaft. Vom Anwalt über eine Haushaltshilfe bis zur Familie ist alles dabei.“ In Wendts Dokumentationszeit fiel die sogenannte Flüchtlingskrise, und sein Protagonist Ben hat sich entschlossen, den Flüchtlingen zu helfen, die auf dem ehemaligen Gelände des Marinefliegergeschwaders untergebracht sind. Er gibt Deutsch-Unterricht in einem Bus oder baut mit den Männern zusammen ein Boot. Mit kräftigem Applaus bestätigte das Publikum den Kommentar des Filmers, Ben sei „ein sehr großer Schaffer“. Ein zweiter Teil der „Schwentine-Armada“ ist bereits abgedreht.

Auch der zweite Film des Abends, „Elise“ von dem Kieler Filmemacher Moritz Boll, handelt von der Frage, nach welchen Werten man leben will. Die Protagonistin Elise (Maren Kraus) hat das Abi in der Tasche und reist zusammen mit ihrer besten Freundin Maria (Carolin Dietrich) durch Schleswig-Holstein. Während sich Elise immer mehr von ihrer kleinbürgerlichen Herkunfts-Welt entfernt, bleibt Maria ihr verhaftet, und die Freundschaft bricht. Letztlich kommen beide wieder zusammen, weil Elise nicht dem Druck der Anderen nachgibt und sich selbst treu bleibt.

Der Student der Medienproduktion Moritz Boll (22) und Produktionsassistent Fabius Zaman (23) haben es geschafft, für den spannenden und schönen Film den Profi-Schauspieler Michael Mendl zu gewinnen, der zwei Wochen lang ohne Gage gearbeitet hat. „Ich habe nicht locker gelassen und so lange nachgefragt, bis er das Drehbuch gelesen und daraufhin zugesagt hat“, schilderte Moritz Boll. Er möchte die Zuschauer mit seinem Film nicht nur unterhalten: „Ich möchte die Leute berühren, sie sollen mit Elise fühlen und am Ende erleichtert sein.“

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