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Wenn nach dem Tod Geld fehlt : Beisetzung in Niedersachsen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Zahl der Sozialbestattungen liegt mittlerweile bei etwa 130 im Jahr / Neumünsteraner werden in Neumünster bestattet

Neumünster | Mittellosigkeit macht auch vor dem Tod nicht halt. Weil mehr Menschen als früher ohne Geld und ohne Angehörige sterben, steigt die Zahl der Sozialbestattungen. Wie bei Peter K., der einst ein angesehenes Handwerksgeschäft in Neumünster führte. Als er jetzt mittellos und ohne Angehörige in einer Betreuungseinrichtung im Amt Bordesholm starb, war das ein Schock für die wenigen verbliebenen Bekannten.

„Wir wollten mit anderen früheren Kollegen und Weggefährten Abschied nehmen“, berichten Ingrid und Werner Olke aus der Gartenstadt. Werner Olke lernte einst in der Firma K., machte mit Peter K. die Meisterprüfung. „Und dann erfuhren wir, dass er einfach so eingeäschert und in Niedersachsen beerdigt werden soll“, sagt Ingrid Olke, die sich mit ihrem Mann in den vergangenen Jahren um Peter K. bemühte.

Bei der Ordnungsbehörde des Amtes Bordesholm bestätigt Tim Reimer das Vorgehen. „Die ordnungsbehördlich veranlassten Bestattungen finden anonym auf einem Waldfriedhof in Wingst in Niedersachsen statt“, sagt Reimer. Das habe sich durch eine Ausschreibung so ergeben. Die Kosten trägt der Amtshaushalt, etwa fünf solcher Bestattungen gebe es pro Jahr im Amtsbereich.

Der vom Amt beauftragte Bestatter will jetzt den alten Weggefährten ermöglichen, im Bestattungsinstitut an der Urne Abschied zu nehmen. Ingrid Olke und ihr Mann Werner sind dafür dankbar. Für eine richtige Trauerfeier samt Beisetzung in Neumünster konnten sie aber auch nicht aufkommen. „Die Beerdigungskosten können wir als Rentner nicht übernehmen. Das sagen die anderen Bekannten auch“, so Ingrid Olke. Peter K. wird also seine letzte Ruhestätte tatsächlich in einem anonymen Grab auf dem Waldfriedhof Wingst finden.

In Neumünster geht man einen etwas anderen Weg. Auch hier „tritt die Ordnungsbehörde ein, wenn es keine Angehörigen mehr gibt oder diese nicht ermittelt werden können“, erläutert Volker Bernaschek vom Fachdienst Bürgerservice, Öffentliche Sicherheit und Ordnung. Auch in Neumünster seien die Bestattungen ausgeschrieben worden und würden derzeit von einem Unternehmen aus Schleswig abgewickelt. „Beigesetzt wird aber auf dem Friedhof Neumünster“, sagt Bernaschek und beziffert die Zahl der von der Ordnungsbehörde veranlassten Bestattungen auf etwa 50 pro Jahr. Dazu kommen noch die etwa 80 Sozialbestattungen in Fällen, in denen es zwar Angehörige gibt, aber deren Einkommen oder Vermögen auch nicht ausreicht, um die Kosten zu tragen. Sie können Anträge auf Übernahme der Kosten beim Fachdienst Soziale Hilfen stellen, sagt die dort zuständige Abteilungsleiterin Martine Thomas. Es gibt dafür feste Sätze. So zahlt der Fachdienst folgende Pauschalen:

>Feuerbestattung (inklusive Überführung zum Friedhof und zum Krematorium): 1448 Euro.

> Sonderleistungen wie Sargträger zur Trauerfeier, Überführungen außerhalb des Sterbeortes, Trauerfeier im Bestattungsinstitut, Sterbeurkunden, Bescheinigungen: 200 bis 1000 Euro. >Krematorium / Einäscherungsgebühren: 400 Euro. >Grabstein: bis zu 350 Euro. >Friedhofsgebühren (Nutzungsgebühr, Beerdigungsgebühr, Bodenbearbeitung, sonstige Kosten) für ein Urnenreihengrab: 1372,04 Euro. Anonymes Urnengrab: 1286,04 Euro.

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erstellt am 29.Mai.2017 | 07:45 Uhr

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