Fußball : Beim PSV Neumünster ist Feuer unterm Dach

Sprach Klartext: PSV-Coach Sven Boy (rechts), hier mit seinem Co-Trainer Jörg Zenker.

Sprach Klartext: PSV-Coach Sven Boy (rechts), hier mit seinem Co-Trainer Jörg Zenker.

Eine Woche vor dem Oberligastart: Trainer Sven Boy mit knallharter Analyse nach dem 0:5-Debakel im SHFV-Pokal.

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15. August 2021, 18:28 Uhr

Es knisterte ganz gewaltig beim Fußball-Oberligisten PSV Neumünster nach dem 0:5 (0:2) im SHFV-Pokal-Achtelfinale gegen den gleichklassigen TSB Flensburg aus der Nord-Staffel. Lautstark sagte sich die Mannschaft nach dem Abpfiff die Meinung, insbesondere Marc Barck schäumte vor Wut. Der Angreifer hatte bereits während des Spiels vor sich hin gegrummelt, er werde von seinen Teamkollegen im Stich gelassen.

TSB im Schongang

Frappierend war, wie unterlegen der nach einer Roten Karte für Marcel Vones (Notbremse) rund 70 Minuten lang mit einem Mann weniger spielende PSV agierte. Praktisch im Schongang qualifizierte sich der TSB für das Viertelfinale, wo nun der Landesliga-Topfavorit FC Kilia Kiel wartet. Eine Woche vor dem Meisterschaftsstart ist bei den „Polizisten“ jede Menge Feuer unterm Dach.

Sarkasmus schwingt mit

Trainer Sven Boy hatte sich längst abgewandt und war in die Kabine getrottet, als es innerhalb der Truppe hoch her ging und sein Co-Trainer Jörg Zenker ebenfalls noch einmal richtig laut wurde. „Wir haben uns die Feierlichkeiten des TSB angeguckt. Dann habe ich noch zwei, drei Sätze gesagt und anschließend meinen Jungs einen schönen Mannschaftsabend gewünscht“, schwang in Boys Worten Sarkasmus mit.

Wille, Einstellung, Charakter, Aufbäumen: Der frühere Zweitligaprofi vermisste so ziemlich alles, was eine in Unterzahl agierende Mannschaft schon oft in der Fußballhistorie ausgemacht hat. „Die Art und Weise hat mir nicht gefallen. Es hat niemand den Kopf herausgestreckt, Führungsspieler waren nicht zu sehen“, klagte Boy. Das Spiel sei nach dem 0:3 in der 57. Minute quasi vorbei gewesen, anschließend habe es den Charakter eines Testspiels gehabt, „in dem wir noch das eine oder andere ausprobiert haben“, sagte der PSV-Coach. So wurde der eingewechselte Makuiza Kiala sowohl im Abwehrzentrum als auch auf einer der defensiven Außenpositionen auf Herz und Nieren getestet, Fyn Claasen rotierte während der Begegnung gar mehrfach.

Wurde auf unterschiedlichen Positionen getestet: Makuiza Kiala (Zweiter von rechts), hier im Duell mit Anton Merz vom TSB Flensburg. Rechts: Mika Jöhnck.
Arne Schmuck

Wurde auf unterschiedlichen Positionen getestet: Makuiza Kiala (Zweiter von rechts), hier im Duell mit Anton Merz vom TSB Flensburg. Rechts: Mika Jöhnck.

 

Zwei gehaltene Elfmeter

Boy blieb in seiner Analyse knallhart. „Wir hatten im Vorwege gesagt, dass wir viel Ballbesitz haben würden und zusehen müssen, dass wir die Bälle nicht so leicht hergeben – schon gar nicht im Zentrum und in der eigenen Hälfte. Das hat nicht ganz so gut geklappt, würde ich sagen“, merkte er süffisant an.

Es war Ironie des Schicksals, dass die beiden PSV-Torhüter Philipp Reinhold (schied in der 53. Minute mit einer Muskelverletzung im Oberschenkel aus) und Nico Heuer je einen Elfmeter parierten. Das half ebenso wenig wie die Tatsache, dass beide Strafstöße diskutabel waren. Die Sünder Marvin Mohr und Kiala jedenfalls schauten ganz schön verwundert drein, als Referee Marcel Colmorgen (Groß Grönau) auf den Punkt zeigte.

Auch er verursachte einen fragwürdigen Strafstoß: PSV-Neuzugang Marvin Mohr (links), hier Zweikampfsieger gegen Tayfun Can vom TSB Flensburg.
Arne Schmuck
Auch er verursachte einen fragwürdigen Strafstoß: PSV-Neuzugang Marvin Mohr (links), hier Zweikampfsieger gegen Tayfun Can vom TSB Flensburg.
 

Dusel hatte Til Küffner, der nur sechs Minuten nach Vones ebenfalls zwingend Rot hätte sehen müssen. „Ja, da habe ich mit dem nächsten Platzverweis gerechnet“, räumte Boy ein, dass der 25-Jährige nach seiner rüden Attacke gegen TSB-Kapitän Sönke Meyer Höhe der Mittelfahne auf einen milden (Schieds-)Richter getroffen war. Küffner kam mit dem Gelben Karton davon, Boy brach – noch einmal im Spagat zwischen Sarkasmus und Ironie – eine Lanze für ihn: „Küffner war der Einzige, der sich mal aufgeregt und ein Frustfoul geleistet hat. Der Ball war ja immerhin nur eineinhalb Meter entfernt, somit also noch in der Nähe.“

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