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Vogelgrippe : Bei zu viel Balz gibt’s Einzelhaft

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

In der Stadt bleiben trotz eventueller Lockerung der Stallpflicht im Land alle Restriktionen gültig. Im Tierpark gibt es Brutausfälle.

shz.de von
erstellt am 07.Apr.2017 | 08:30 Uhr

Neumünster | Erpel „Schoki“ sitzt in seinem Käfig und versteht die Welt nicht mehr. Es ist Frühling, und er will zu den Weibchen. Doch alle Vögel im Tierpark müssen im Stall bleiben – und der Erpel setzte im Gemeinschafts-Stall aufgrund seines Balztriebs seinen männlichen Konkurrenten zu sehr zu. Denn die gestern von Umweltminister Robert Habeck in Aussicht gestellten Lockerung der Aufstallungspflicht ändert für den Tierpark nichts – er liegt weiterhin im Sperrbezirk. Das macht Tierpark-Chefin angesichts steigender Temperaturen und der Frühlingszeit zunehmend Sorgen – für Brut und Zucht sieht es schlecht aus.

„Wir beobachten das Verhalten der eingesperrten Vögel ganz besonders“, sagt sie. Bei den Europäischen Graukranichen trompetet Kranichdame Jessika (5) immer wieder und laut hörbar. „Sie will tanzen“, sagt Verena Kaspari. Das Liebesspiel der Kraniche ist ein Balztanz mit ausgebreiteten Flügeln. „Vielleicht müssen wir sie auch bald von den Störchen, die mit im Gehege sind, trennen“, sagt Verena Kaspari.

Bei einigem Wassergeflügel mussten auch schon die Geschlechter getrennt werden – oder sogar separiert werden so wie „Schoki“. „Auf unserem Teich können die Hennen sich zurückziehen, im Stall geht das nicht“, so Verena Kaspari.

Auch die Wattvögel wollen Nester bauen. „Wir haben 13 Braune Sichler und 3 Säbelschnäbler, sie kriegen kein Brutmaterial wie sonst. Und falls die Waldrappen auf dem Boden Eier legen, ersetzen wir sie durch Gipseier“, sagt Verena Kaspari.

Die einzige Ausnahme, die das Veterinäramt gestern gab, gilt für die acht Humboldt-Pinguine, die in der Wattvogel-Anlage untergebracht sind: „Wir dürfen sie jetzt tagsüber nach draußen lassen, so haben sie wenigstens ein kleines Becken und Licht. Wir müssen sicherstellen, dass sie keinen Kontakt zu freifliegenden Vögeln haben, das ist gewährleistet“, sagt Verena Kaspari. Außerdem werden die Pinguine regelmäßig auf das Vogelgrippe-Virus getestet. Doch brüten können die Tiere unter diesen Umständen nicht – sie brauchen Bruthöhlen.

Auch andere Geflügelhalter müssen sich weiterhin an alle Vorschriften halten. Willi Sinterhauf, Vorsitzender des Rassegeflügelzuchtvereins Konkordia, gibt sich hoffnungsvoll: „An den bisherigen Fristen lässt sich nichts ändern, damit müssen wir leben. Aber dass eine Lockerung kommen könnte, begrüße ich. Wir können nur hoffen, dass kein weiterer toter Vogel gefunden wird.“

Der letzte Vogelgrippe-Fall war eine Ente am Einfelder See am 27. März. Falls kein neuer Fund geschieht, könnten Sperrbezirk und Beobachtungsgebiet – insgesamt die ganze Stadt – am 27. April aufgehoben werden, sagt Amtstierärztin Dr. Bettina Kohnen-Gaupp. Dies bedeute aber nicht das Ende der Stallpflicht, da dies eine separate Verfügung sei. „Wir müssen das Risiko neu bewerten und sind angehalten, bestimmte Gebiete mit hohem Risiko mit hoher Geflügeldichte, den Tierpark oder die Gewässer besonders zu bewerten. Das kann bedeuten, dass dort die Stallpflicht dann weiterhin gilt.“

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