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Zirkus Krone : Bei den Kundgebungen blieb alles ruhig

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Zirkusfreunde und die Gegner von Tierdressuren in der Manege machten vor den Vorstellungen mobil. Polizei hatte beide Parteien im Blick

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erstellt am 19.Sep.2015 | 05:30 Uhr

Neumünster | Der Zirkus Krone polarisiert: Während die Besucher gestern zur Premierenvorstellung in das große Zirkuszelt strömten, machten die Gegner von Tierdressuren auf der einen und Zirkusanhänger auf der anderen Straßenseite mobil.

Die Stadt hatte bei der Genehmigung der beiden Kundgebungen darauf geachtet, dass beide Parteien säuberlich getrennt bleiben. „Wir sehen das ganz gelassen und erwarten keinen Krawall“, sagte Polizeihauptkommissar Ernst Klänhammer, der mit seinen Kollegen das Geschehen im Blick hatte. 2008 hatten selbst ernannte „Tierrechtler“ auf dem Jugendspielplatz die Manege beim Zirkus Knie gestürmt und die Vorstellung gestört.

Von solchen militanten Aktionen distanzierten sich Katja Stolze und ihre Mitstreiter. Für die Neumünsteranerin steht bei ihrem fantasievollen Protest gegen Tiere im Zirkus das Tierwohl im Vordergrund. „Tiere sind Lebewesen und keine Gegenstände, die der Unterhaltung dienen“, sagte Svenja Müller. Die Peta-Aktivistin aus Einfeld hatte die Kundgebung angemeldet und sich wie andere Demonstranten tierisch kostümiert.

Den härtesten Part hatte Angela Zameit. Die Flensburgerin im Tigerkostüm hatte sich in einen etwa 40 mal 60 mal 70 Zentimeter kleinen Käfig gezwängt und harrte darin jeweils zwei Stunden aus. „Zirkus Krone ist fast der einzige Zirkus, der noch Wildtiere hält“, empörte sich Kirsten Schröder. Es gab klare Vorgaben der Ordnungsbehörde: „Wir dürfen uns nicht vor den Zirkuseingang stellen“, sagte Katja Stolze.

Dort hatten bei einer weiteren Kundgebung Jan Bühring aus Lübeck und Ottmar Liebicher von der „Gesellschaft der Circusfreunde“ ihr Transparent entrollt. Der Kieler ist Sektionsleiter für Hamburg und Schleswig-Holstein. „Wir begleiten den Zirkus Krone auf der Nordtournee und informieren das Publikum an einem Infostand“, sagte Liebicher. Kein Unternehmen, das mit Tieren zu tun habe, werde so streng kontrolliert wie der Zirkus.

„Wir halten hier die Stellung als Gegenpol. Je mehr Gegner kommen, um so mehr lieben wir die Tiere“, sagte Ottmar Liebicher. Aktivistin Katja Stolze äußerte dagegen eine andere Vermutung. „Ich glaube, Zirkus Krone hat die Pro-Kundgebung selbst angemeldet, um uns den Platz direkt vor dem Zirkuszelt streitig zu machen“, sagte sie.


Kommentar von Gabriele Vaquette: Kritik ja, aber differenziert

Bei jedem Zirkus-Gastspiel wird erbittert diskutiert: Gehören Wildtiere in den Zirkus? Werden die Tiere gezwungen? Man sollte nicht alle Zirkusse über einen Kamm scheren, sondern differenzieren. Bei Krone lädt man auch die Gegner offensiv ein, die Proben zu beobachten, die Ställe und Tiere zu inspizieren. Die Amtstierärztin spricht nach ihrer Kontrolle von „vorbildlicher Verfassung“. Das gilt für die Bindung zu den Trainern (sind das noch wilde Tiere?) und auch für die Beschäftigung der Tiere. Denn für Tiere in Menschenobhut ist Langeweile das Schlimmste – dann sieht man typische Verhaltensauffälligkeiten. Mancher gefiederte Exot rupft sich in Privathaltung die Federn aus. Im Zirkus fliegen die Papageien, rennen die Pferde, springen die Tiger – würden sie in freier Wildbahn etwas anderes tun? Wirken sie gequält oder verstört? Man soll weiter genau hinschauen – aber differenziert.

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