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Holsteinischer Courier

14. Dezember 2017 | 18:17 Uhr

Arbeitsmarkt : Behinderte sind die Verlierer

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Viele Betriebe kaufen sich lieber mit Ausgleichsabgaben frei. Es gibt aber auch vorbildliche Unternehmen.

von
erstellt am 04.Dez.2013 | 04:00 Uhr

Menschen mit Handicap haben es schwer auf dem Arbeitsmarkt: Sie stoßen trotz hoher Motivation und oft gleichwertiger Qualifikationen immer noch auf Vorbehalte. In Neumünster sind zurzeit 254 Schwerbehinderte arbeitslos gemeldet. Vor einem Jahr waren es noch 179.

„Viele Unternehmen zahlen lieber die Ausgleichsabgabe, als sich mit dem Thema zu beschäftigen“, sagt Marianne Jurkscheit von der Agentur für Arbeit. Die Abgabe von bis zu 290 Euro im Monat wird fällig, wenn Betriebe mit mehr als 20 Mitarbeitern ihre gesetzliche Beschäftigungsquote nicht erfüllen. Danach sind mindestens fünf Prozent der Arbeitsplätze mit Schwerbehinderten zu besetzen.

Dass es auch ganz anders geht, zeigen gerade kleinere Unternehmen wie die Firma DLV Ingo Lamaack im Gewerbegebiet an der Gadelander Straße 172. Der lizensierte Reparaturbetrieb und Hersteller von Euro-Paletten und Gitterboxen hat durchweg gute Erfahrungen mit behinderten Mitarbeitern gemacht.

Seit Mitte Oktober ist Marcel Kara im sechsköpfigen Mitarbeiterteam dabei. Der 19-Jährige fand nach seiner Ausbildung zum Tischlergehilfen in den Husumer Werkstätten über die Vermittlung der Arbeitsagentur eine Vollzeitstelle bei Lamaack. Kara ist gehörlos, kann aber von den Lippen lesen und so jedes Gespräch verfolgen. Und er hat die nötigen Maschinen- und Gerätekenntnisse, etwa einen Gabelstaplerschein. „Mir gefällt die Arbeit sehr gut“, sagt er und hofft, nach einem zweiwöchigen Praktikum und der dreimonatigen Probezeit im Januar fest übernommen zu werden.

Die Arbeitsagentur übernimmt in dieser Zeit die Lohnkosten und finanziert das aus Mitteln der Ausgleichsabgabe. Doch das war nicht der Grund für Inhaber Ingo Lamaack und seine Frau Stefanie, Marcel Kara eine Chance zu geben. „Wir haben in unserer früheren Niederlassung in Güstrow im gewerblichen Bereich ausschließlich mit behinderten Mitarbeitern gearbeitet, und es funktionierte gut“, sagt Stefanie Lamaack. „Diese Menschen wollen arbeiten und sind hochmotiviert und sehr gewissenhaft“, sagt Ingo Lamaack. Nach der Probezeit will Lamaack Marcel Kara fest einstellen.

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