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Jahresbilanz : Beharrlicher Kampf gegen Missstände

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der ehrenamtliche Behindertenbeauftragte Hartmut Florian ist seit April 2013 im Amt: Es gibt viele Fälle von Diskrimierung / Barrieren als wichtiges Thema

shz.de von
erstellt am 12.Apr.2014 | 06:30 Uhr

Neumünster | Einer Schwerbehinderten wurde nicht gesetzeskonform gekündigt, eine Rollstuhlfahrerin brauchte dringend eine rolligerechte Wohnung, Senioren an der Dithmarscher Straße litten unter haarsträubenden Wohnmängeln – jede Menge Missstände landeten im vergangenen Jahr auf dem Schreibtisch von Hartmut Florian. Der 68-jährige Gadelander ist seit April 2013 der neue ehrenamtliche Beauftragte der Stadt für Menschen mit Behinderten und hat diverse kleine und große Kämpfe für die Rechte seiner Klientel beharrlich ausgefochten. „Es hat sich schon eine Menge getan, die Zusammenarbeit mit der Stadt, den Stadtteilbeiräten und vielen Institutionen ist vertrauensvoll und gut. Aber wir sind noch lange nicht da, wo wir sein sollten“, sagt der pensionierte Kommunalbeamte, der bei der Stadt arbeitete.

9000 Neumünsteraner haben einen Schwerbehindertenausweis, aber Florian schätzt die korrekte Zahl höher. „Viele scheuen sich, einen solchen Antrag an das Landesamt für soziale Dienste zu stellen, es sind bestimmt 1000 Menschen mehr, die berechtigt wären“, sagt er und verweist auf die Problematik psychischer Störungen: „Der Behinderungsgrad ist schwer messbar, auch bei Schmerzpatienten.“ Florian sieht sich als „Lotse“ für Behinderte, erfragt Zuständigkeiten, erstreitet Gelder, die den Menschen zustehen, hilft beim Stellen von Anträgen, macht auf Wunsch auch Hausbesuche. „Ich will Schwellenängste abbauen, Diskriminierung in vielfältiger Form bekämpfen und etwas aktiv gestalten“, formuliert er seine Ziele. Seit 2006 ist er außerdem Moderator des Runden Tisches für Menschen mit Behinderung, der vom inzwischen verstorbenen Kommunalpolitiker Rudolph Johna gegründet wurde. Er gehört auch der Aktionsgemeinschaft zur Förderung Behinderter und Benachteiligter an.

Seine Arbeitsfelder sind vielfältig: Er vermittelt zwischen der Stadt und Betroffenen, ist involviert, wenn beispielsweise das Pflaster auf dem Großflecken „entholpert“ werden soll, achtet auf Bordsteine. „Dabei gibt es einen Konflikt zwischen zwei Behindertengruppen. Blinde brauchen deutliche Bordsteine, Rollifahrer das Gegenteil.“ Vor der Stadtbücherei an der Wasbeker Straße sei das optimal gelöst: Dort gibt es im Abstand von zwei Metern eine abgesenkte und eine erhöhte Stelle, die durch kleine Steinkugeln vom Fuß ertastet werden kann. Ebenfalls an der Wasbeker Straße ortet Florian mit Anlieger Sigismund Oheim eine Stolperfalle: Vor der Rheuma-Liga gibt es ein Stück Bordstein, über den schon mehrere Fußgänger und Fahrradfahrer stürzten, Rollstuhlfahrer kippten seitlich weg – ein typischer Fall für Florian. „Solche Stellen betreffen nicht nur Behinderte, sondern auch Mütter mit Kinderwagen“, stellt er fest.

Auch zur maroden Fußgänger-Brücke an der Rendsburger Straße (der Courier berichtete) hat er notwendige Wege aufgezeigt – jetzt werden von der Verwaltung auch die Variante „Brücke mit Aufzug“, eine Untertunnelung oder der beschrankte Bahnübergang als Alternativen geprüft.

Profunde Kenntnisse der Rechtslage gehören mit zu seiner Arbeit: Er hat lange Listen mit möglichen Steuerfreibeträgen, kennt sich aus bei der Befreiung von Mehrarbeit, Zusatzurlaub, Blindengeld-Beträgen oder anderen Ermäßigungen für Benachteiligte. Florian: „Ich zeige die Wege auf, wie man das bekommt, was einem zusteht.“

An jedem zweiten Dienstag im Monat findet von 9 bis 12 Uhr seine Sprechstunde im Neuen Rathaus statt; kontaktieren kann man Florian auch per Telefon (97 39 16) oder per E-Mail (Hartmut.Florian@t-online.de).

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