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Neumünster : Beerdigung zu Dumpingpreisen? Bestatter wettern gegen die Stadt

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Zwei Bestatter aus Neumünster werfen der Verwaltung vor, Dumpingpreise zu unterstützen.

Neumünster | Handelt die Stadt bei Sozialbestattungen ohne gültige Vertragsgrundlage und gegen geltendes Recht? Das behaupten jedenfalls zwei seit Jahren in Neumünster ansässige renommierte Bestatter. Sie wollen aus Wettbewerbsgründen vorerst ihren Namen nicht in der Zeitung lesen, sind der Redaktion aber bekannt. Auslöser des Streits ist ein Bericht im Holsteinischen Courier vor wenigen Wochen. Darin hatte eine Mitarbeiterin des zuständigen Fachdienstes Soziale Hilfen erklärt, es gebe für Sozialbestattungen feste Pauschalen.

Ins Visier nehmen die beiden Bestattungs-Fachleute auch die von der Ordnungsbehörde veranlassten Bestattungen, wenn es keine Angehörigen mehr gibt oder diese nicht ermittelt werden können. Laut Stadt sind dieses etwa 50 pro Jahr. Nach einer Ausschreibung übernimmt ein Schleswiger Unternehmen die Beisetzung. „Zu Dumpingpreisen“, wie die beiden Bestatter monieren. Die Ausschreibung habe allein den Zweck, den Konkurrenzkampf anzuheizen. Dabei werde nicht auf Qualität, Mindestlohn und soziale Standards geachtet.

Die Bestatter verweisen auf ein Urteil des Bundessozialgerichts in Kassel aus dem August 2011. Der dortige 8. Senat hatte damals entschieden, dass „erforderliche Bestattungskosten durch den Sozialhilfeträger nicht nach Maßgabe pauschal ermittelter Vergütungssätze zu übernehmen sind“. Auf nochmalige Nachfrage des Couriers konkretisierte die Stadt nun, es gebe keine pauschal ermittelten Vergütungssätze, „sondern einen Grundbetrag, der einzelne Serviceleistungen zusammenfasst, um nicht kleinteilige Beträge extra abrechnen zu müssen“. Sonderleistungen, Preise für den Sarg und Gebühren würden individuell abgerechnet.

Und: Die in einem 2001 zwischen Bestattern und Stadt ausgehandelten Vertrag genannten Beträge würden als Richtwerte festgelegt, „um die ortsüblichen und angemessenen Beträge rechnerisch darstellen zu können“.

„Das ist schlichtweg unwahr“, sagen die Bestatter. Der Vertrag sei schon 2004 ausgelaufen und nicht verlängert worden. Zudem seien Sonderleistungen wie Sarg, Decke und Kissen darin eingerechnet. Wünsche von Angehörigen könnten daher nicht berücksichtigt werden. „Das ist für uns immer schwer, diese Tatsache den Hinterbliebenen zu erklären“, sagen sie.

Sie kritisieren weiter, dass die Stadt damit deutlich unterschiedliche Maßstäbe an ein Begräbnis ansetze. „Für eine ordnungsrechtliche Beisetzung werden rund 750 Euro veranschlagt, für die Sozialbestattung knapp 1500. Aber unter 2000 Euro bekommt man normalerweise keine ordentliche Feier“, sagen sie. Zumal auch die Friedhofsgebühren noch anfallen und es dort zum Teil deutliche Unterschiede gibt (siehe Infokasten).

Die Bestatter fordern nun neue Verhandlungen mit der Stadt, denn: „Es sollte jedem Menschen möglich sein, in Würde unter die Erde zu kommen.“

Friedhofsgebühren

Bei den Friedhofsgebühren gibt es deutliche Unterschiede im Bereich Neumünster.

Für eine Erdbestattung im Reihengrab werden auf den kirchlichen Friedhöfen Neumünsters 2.258 Euro, in Boostedt (kommunal) 2294 Euro, in Bordesholm (kirchlich) 1696 Euro und in Wasbek (kommunal) 5128 Euro fällig. Für eine anonyme Feuerbestattung werden in Neumünster 1286 Euro, in Boostedt 696 Euro, in Bordesholm 1194 Euro und in Wasbek 2136 Euro fällig.

 

 

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erstellt am 19.Jun.2017 | 08:00 Uhr

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