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Schultheaterfestival : Bedrückendes Melodram über Mobbing

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Letztes Stück des Festivals setzte auf sparsame Bühnenausstattung und hob die schauspielerische Leistung hervor / Ursachenforschung für Selbstmord

Neumünster | Mit einem Knaller fing das Schultheaterfestival an und mit einer Rakete endete es: Vor fast vollem Haus prämierte gestern Vormittag die Holstenschule mit ihrem bedrückenden Stück „Ich habe nichts getan.“

Die Jugendliche Luisa kommt an eine neue Schule und wird zum Mobbing-Opfer. Gedemütigt und verzweifelt bringt sie sich um. Das Stück fragt nach der Schuld der Beteiligten: Sind es die reichen Eltern, die sich voll in ihre Arbeit und Wohltätigkeitsveranstaltungen stürzen, anstatt für ihre Tochter Zeit zu haben? Ist es der Lehrer, der genauer hätte hinsehen müssen? Sind es die herzlosen Mitschülerinnen, die Luisa erpressen, schlagen und letztlich mit einem im Internet veröffentlichten Video bloß stellen? Oder sind es deren Eltern, die sich nicht um ihre Kinder und deren Medienkonsum kümmern? Vielleicht hätte gar Luisas einzige Freundin Emily den Selbstmord verhindern können? Die ist nämlich hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, zur fiesen Mädchenclique zu gehören, und ihre freundschaftliche Zuneigung zu Luisa leben zu können.

Mit der Rolle der Emily ist der Regisseurin Sara-Lena Garken ein dramaturgisch geschickter Zug gelungen: Gesplittet auf zwei Schauspielerinnen wird zum einen das Gebrochene ihres Charakters deutlich. Zugleich – und das war die interessante Form der Präsentation – erfuhren die Zuschauer den Verlauf der Handlung rückblickend von Emily im Gespräch mit einem Polizisten. Die entsprechenden Ereignisse wurden dann auf der Bühne gezeigt und unterbrachen den Dialog. „Die Inszenierung war mir sehr wichtig“, sagte die Lehrerin, die eigens den Roman von Brigitte Wilhelmy dramatisiert hat. Kaum Requisiten und einheitlich schwarze Kleidung betonten die schauspielerische Leistung. „Inhaltlich wollte ich aktuelle Bezüge wie Mobbing herausstellen sowie den Umgang mit den Massenmedien.“ „Das war harter Tobak!“, meinte Zuschauer Thomas Harm berührt, und seine Ehefrau Martina fügte hinzu: „Es war toll gespielt und hat Emotionen geweckt.“ Darauf zielte das Stück, denn von der Kraft des Theaters ist Sara-Lena Garken überzeugt: „Theater wirkt erzieherisch.“

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