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Mörel : „Banana“ konnte nicht gefangen werden: Wildschwein bleibt vorerst in der Rinderherde

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Bache darf Weihnachten noch bei den Rindern verbringen.

shz.de von
erstellt am 22.Dez.2015 | 07:00 Uhr

Mörel | Gleich mehrere „Schweineflüsterer“ versuchten gestern, Wildschwein „Banana“ von dessen Rinderherde zu trennen und einzufangen. Die junge Bache hat sich vor zweieinhalb Monaten von einer Ochsenherde adoptieren lassen. Bevor die Rinder in den Stall kommen, sollte „Banana“ nun eingefangen und zum Erlebniswald Trappenkamp verfrachtet werden, wo in einem Schaugehege ein neues Zuhause und artgerechtere Spielkameraden auf sie warten.

Aber die junge Wildschweindame will offenbar zumindest das Weihnachtsfest noch im Kreise ihrer liebgewonnenen Wahlfamilie feiern. Nach zwei Stunden mit ebenso schweißtreibenden wie vergeblichen Lock- und Fangbemühungen waren die „Schweineflüsterer“ mit ihrem Latein am Ende. Nach Weihnachten soll ein neuer Fangversuch gestartet werden.

„Komm, komm, komm! Komm hiieerheeer! Komm, komm, komm!“ Wenn Reimer Tank Wildschweindame „Banana“ ruft, dann kommt sie auch. Schließlich schaut der Kreistagsabgeordnete seit zwei Monaten fast jeden Tag bei „Banana“ und deren Rinderfamilie vorbei, um den schmächtigen Überläufer mit Extrarationen Mais aufzupäppeln. Obwohl er von einem TV-Team begleitet wurde, schaffte es Tank auch gestern um 10 Uhr, „Banana“ so nah heranzulocken, dass sie ihm fast aus der Hand fraß. Damit war aber noch nichts gewonnen, denn Tank war nur die Vorhut einer großangelegten Einfangaktion.

Niels Reese musste die Herde seines Vaters zunächst über zwei Koppeln zu der Weidefläche treiben, wo Marcel Zickermann und Gerd Lüthje von den Schleswig-Holsteinischen Landesforsten mit ihrem Anhänger warteten. Um 10.30 Uhr legten die Mitarbeiter des Erlebniswalds Trappenkamp neben der Futtertraufe der Herde ein Fangnetz aus, auf das „Banana“ mit Mais gelockt werden und wo sie beim Fressen mit einer Überraschungsattacke dingfest gemacht werden sollte. So zumindest die Theorie. Jagd- und Forstwirt Zickermann, der sich als Betreuer des Trappenkamp-Saugatters den Ruf einer „Schweineflüsterers“ erworben hat, ging mit einem Futtereimer bewaffnet allein zur Herde, um sich mit der Bache anzufreunden. Um 10.40 Uhr verabschiedete sich die ganze Herde aber erstmal ans entgegengesetzte Ende ihrer Stammweidefläche. Während Tank „Banana“ nun schon mit leckeren Apfelstücken köderte, wagte Zickermann um 11 Uhr einen ersten Zugriff, bekam „Banana“ aber nicht richtig zu packen und musste sie loslassen.

Wildschweine seien nicht nachtragend, meinte ein zu diesem Zeitpunkt noch optimistischer Reimer Tank: „Die wird schon wieder herkommen.“ „Fast hätte ich sie gehabt“, sagte Zickermann, für den die Fangaktion trotz jahrelanger Berufserfahrung mit Schwarzwild Neuland war: „Wir haben noch nie ein Schwein aus einer Rinderherde herausgefangen – das ist eine Ausnahmesituation.“ Nach zweieinhalb Monaten allein unter Rindern ist „Banana“ ja auch kein ganz normales Wildschwein mehr: „Wahrscheinlich denkt sie, sie ist eine Kuh.“ Bei einem Vorabbesuch hatte Zickermann „Banana“ und die Herde begutachtet und darauf vertraut, dass man das Wildschwein nur mit einem Netz problemlos würde einfangen können. Nun aber sorgte ein bullendes Jungtier für Unruhe. „Die Herde ist nervös, und das überträgt sich auf das Schwein“, diagnostizierte Zickermann.

Eine Stunde später wurde der Fangversuch erfolglos abgebrochen.  

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