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Lesung in Neumünster : Banalitäten mit viel Tragik und Humor

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Mareike Krügel las in der Stadtbücherei aus ihrem neuen Roman

Neumünster | Aus ihrem inzwischen vierten Roman mit dem Titel „Sieh mich an“ las Mareike Krügel, die mit ihrer Familie an der Schlei lebt, am Mittwoch vor 20 Besuchern in der Stadtbücherei. Krügels Romanheldin Katharina, Mitte vierzig, mit zwei Kindern, einer stressigen Tochter und einem pubertierenden Sohn, der Vater weitab in Berlin als Architekt tätig, versucht, das Tagesgeschehen der Kleinfamilien zu managen.

Ob Zufall oder nicht: Der ganze Roman ereignet sich an einem Freitag. Die Tochter hat mit Nasenbluten das Schulsekretariat verunreinigt, muss abgeholt werden, damit fällt ein Musikkursus, den Katharina gibt, aus. Auf der Heimfahrt streift sie einen Laternenmast und büßt den Seitenspiegel ein. Zu Hause kocht sie für die Kinder eine flaue Suppe, denn Kochen mag sie gar nicht. Dann leistet sie Erste Hilfe, weil gerade ein geschlechtsumgewandelter Nachbar sich mit dem Aufsatzrasenmäher den Daumen abgefahren hat und die Tochter das Stück nicht fand. Das reicht eigentlich als Stoff für einen 250-Seiten-Roman. Doch damit nicht genug: Im Schreibtisch liegen achtzig Seiten einer angefangenen Dissertation und in ihrer Brust entdeckte sie „etwas“. Damit gerät das bisherige Leben ins Wanken. Zur Krönung dieses Freitags hat sich ihr ehemalige Studienkollege angesagt und die beiden Kinder sind außer Haus…

Mit fesselndem, sarkastischem Humor, der mit viel Blut und Erbrochenem auch eine Spur makaber ist, erzählte Krügel aus dem Leben ihrer Heldin. Dabei bediente sie sich einer unaufgeregten, unpathetischen Sprache, die sie auch während der Lesung durchhielt. Damit gelang der Autorin eine reizende Verbindung von Komischem und dem Banalen, das eben den komplizierten Alltagswahnsinn ausmachte.

Bemerkenswert, wie sie es schaffte, ihrer Protagonistin in deren komplizierten Momenten philosophische Reflexionen zuzuschreiben– höchst unterhaltsam, auch wenn der Stoff als Familienroman gelten könnte. Für Spannung war gesorgt.

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