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Lokführerstreik : Bahnkunden weichen auf die Straße aus

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Autovermieter und Fernbusse profitieren vom Streik bei der Bahn / Notfahrpläne der Bahn funktionierten gestern gut

shz.de von
erstellt am 07.Nov.2014 | 05:30 Uhr

Neumünster | Der Lokführerstreik ging gestern an Neumünster nicht spurlos vorbei. Doch nicht für jeden waren die Auswirkungen negativ. Die Autovermieter und Anbieter der Fernbus-Linien hatten alle Hände voll zu tun, um die große Nachfrage so gut es eben ging abzuarbeiten.

Bei Europcar an der Kieler Straße war die Nachfrage laut Niederlassungsleiter Matthias Koesling „sehr, sehr hoch“ und „die Verfügbarkeit von Wagen eher knapp“. Wer für das Wochenende noch ein Auto braucht, sollte möglichst rasch anfragen, hieß es. „Wir schlagen aber kein Kapital aus dem Streik. Die Preise werden nicht angezogen“, versprach er.

Ähnlich sieht es auch bei Sixt an der Kieler Straße aus. „Neumünster ist so gut wie ausgebucht“, erklärte Michael Rathjen, Stationsleiter in Neumünster, Heide und Itzehoe. Dennoch lohne es sich, für die weiteren Streiktage noch anzufragen. „Wir können immer wieder einzelne Wagen beschaffen“, sagte er. Teurer wird es in der Streikzeit auch nicht. „Wir nutzen die Situation nicht aus“, so Rathjen. Bei Avis an der Altonaer Straße hingegen ist der Preis um 10 bis 20 Prozent gestiegen, „weil die Verfügbarkeit so gering ist“, erläuterte der Avis-Angestellte Timm Beijers. „Seit Mittwoch sind wir schon komplett ausgebucht. Und für das Wochenende wird es auch sehr eng. Es gibt nur noch einzelne Wagen“, erklärte er.

Wer nicht auf den Leihwagen umsteigt, versucht für längere Touren offenbar noch einen Platz in den Fernbussen zu ergattern. Die Nachfrage ist derzeit so groß, dass die Busunternehmen zusätzliche Busse auf die Strecken schicken. Firma Dehn, die die Tour nach Berlin mit bedient, hat zu den zwei bis drei Bussen, die je nach Werktag regelmäßig fahren, bereits einen Zusatzbus eingeplant. „Spätestens ab Lübeck sind die Touren rappelvoll“, berichtete der geschäftsführende Inhaber Joachim Dehn. Bundesweit sind 120 Zusatzbusse bei „Mein Fernbus“ eingesetzt, weiß er. Sonderangebote sind für die Restplätze nicht mehr zu haben. „Aber es gibt bei uns auch keinen Streik-Zuschlag“, sagte er.

Dass sich der Verkehr seit gestern vermehrt von der Schiene auf die Straße verlagert hat, hat bisher laut Autobahnpolizei noch keine negativen Auswirkungen gehabt. „Im Bereich Neumünster läuft alles normal“, hieß es.

Unterdessen war am Bahnhof wenig Hektik zu spüren. Die Reisenden hatten sich auf die Zugausfälle offenbar gut eingestellt. Wer keine Ausweichmöglichkeit hatte, hatte offenbar den Ersatzfahrplan gut studiert. So fuhren zum Beispiel stündlich Züge zwischen Kiel und Hamburg und hielten auch in Neumünster. Lediglich die Fahrzeit für die Strecke erhöhte sich geringfügig, weil die Züge zusätzliche Stopps an kleineren Bahnhöfen wie Einfeld oder Flintbek einlegten, um die ausgefallenen Regionalbahnen zu ersetzen. Die Fahrgäste nahmen das reduzierte Angebot gelassen. Mancher wunderte sich sogar: „Für einen Streik sind die recht pünktlich, und überfüllt sind die Züge auch nicht“, freute sich eine Pendlerin, als sie am Morgen im Berufsverkehr den Bahnhof verließ, um zur Arbeit zu kommen.

Mitarbeiter der Bahnhofsmission waren vor Ort, um Bahnkunden weiterzuhelfen – so wie Jörg Nordahl. „Sie müssen in den Bahn-Servicepunkt dort hinten links gehen, da hilft man ihnen weiter“, sagte er Simona Pavel aus Neumünster. Die wusste nichts von dem Streik, muss aber am heutigen Freitag morgens einen Zug nach Bordesholm zur Arbeit bekommen. „Ich rufe gleich eine Kollegin an. Wenn kein Zug fährt, wird sie mich abholen“, so Simona Pavel und griff zum Handy.

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