Streik : Bahnkunden sind trotz Streiks gelassen

Andreas Schindler freute sich. Bis zur Einfahrt des Zuges war dem Pendler nicht klar, ob er pünktlich mit der Bahn zur Arbeit nach Hamburg kommen würde.
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Andreas Schindler freute sich. Bis zur Einfahrt des Zuges war dem Pendler nicht klar, ob er pünktlich mit der Bahn zur Arbeit nach Hamburg kommen würde.

Viele hatten sich im Internet vorab über ihre Reiseverbindungen informiert. Die Züge der privaten Bahnunternehmen Nordbahn und AKN fuhren regulär.

shz.de von
06. Mai 2015, 08:30 Uhr

Neumünster | „Der Ersatzfahrplan der DB AG ist stabil angelaufen“, hieß es gestern Morgen um 6 Uhr in einer Pressemitteilung der Deutsche Bahn. Zu diesem Zeitpunkt waren die Mitglieder der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) bereits seit vier Stunden in den Ausstand getreten. Die Bahn hatte mit einem besonderer Fahrplan im Personenverkehr reagiert. Der Courier hörte sich am Hauptbahnhof um, wie die Fahrgäste auf den erneuten Ausstand reagierten.

Der Wasbeker Andreas Schindler traf kurz nach 7 Uhr auf Gleis 5 ein, um zur Arbeit nach Hamburg zu fahren. Sein Regionalexpress in die Hansestadt fiel aus, nun hoffte Schindler auf den nächstfolgenden ICE Richtung Süden. „Ich pendle seit zwölf Jahren wochentags zwischen Hamburg und Neumünster. Heute ist das erste Mal, dass ich trotz Streiks versuche, mit dem Zug zur Arbeit zu kommen. Wegen der Bauarbeiten auf der A7 ist das Auto keine gute Alternative“, meinte Schindler. „Sollte ich hier nicht wegkommen, gibt es einen Plan B“, verriet er: „Meine Frau arbeitet in Neumünster. Und wenn gar nichts geht, schnappe ich mir ihren Wagen. Aber nervig wäre das schon“, sprach‘s, strahlte plötzlich und nahm sein Gepäck. Auf Gleis 5 fuhr pünktlich um 7.30 der ICE nach Zürich ein.

Horst Malchow kann den Unmut vieler Berufstätiger gut verstehen. „Für Pendler ist die Situation schlimm“, meinte der Rentner. Er selbst habe sein ganzes Berufsleben bei der Bahn verbracht, aber an solch verhärtete Fronten zwischen Bahn und GDL, wie sie sich im Moment darstellen, könne er sich nicht erinnern. „Das Problem ist die Sturheit von Claus Weselsky“, findet Malchow. Seine Frau pflichtete ihm bei: „Unser ganzer Bekanntenkreis schimpft auf den Chef der GDL“. Ihren fünftägigen Radwanderurlaub im Norden Schleswig-Holsteins wollen sich die beiden Neumünsteraner durch den Streik aber nicht vermiesen lassen. Zwar mussten sie gestern Morgen eine Stunde früher als geplant nach Süderbrarup aufbrechen, aber die geänderten Abfahrtszeiten hatten die Malchows bereits am Tag vorher im Netz recherchiert. Lange Wartezeiten blieben ihnen erspart.

Ganz anders erging es Brigitte Giese und Lisa Buck. Großmutter und Enkeltochter wollten nach Stuttgart fahren. Zwei bis drei Mal im Jahr machen die beiden diese Reise. „Normalerweise fährt der Zug um 6.32 in Neumünster los und ist sechs Stunden später in Stuttgart“, erzählte Enkelin Lisa. Nun standen die beiden um 7.30 Uhr immer noch auf dem Bahnsteig. In weiser Voraussicht hatten sich die beiden Frauen am Sonnabend in einem Service-Center der Bahn nach einer Verbindung erkundigt. Am Sonntagabend war diese aber bereits wieder hinfällig, wie sie aus dem Netz erfuhren. Gestern blieb Brigitte Giese und Lisa Buck nichts anderes übrig, als mit viel Wartezeit, fünfmaligem Umsteigen und mit einer Fahrtzeit von elf Stunden nach Stuttgart zu reisen. „Ein bisschen genervt bin ich schon,“ gab Lisa Buck zu.

Trotz aller Widrigkeiten blieben die Neumünsteraner Zugreisenden gestern Morgen aber insgesamt relativ gelassen und zeigten sich gut informiert. Die Züge der privaten Unternehmen Nordbahn und AKN sind von dem Streik nicht betroffen.

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