Vogelplage : Bahnhof Neumünster: Wo sind all die Tauben hin?

Rüdiger Muß vom Verein „Stadttauben“ macht sich Sorgen darüber, was mit den Vögeln passiert, nachdem sie am Bahnhof gefangen wurden.
Rüdiger Muß vom Verein „Stadttauben“ macht sich Sorgen darüber, was mit den Vögeln passiert, nachdem sie am Bahnhof gefangen wurden.

Seit einigen Wochen werden am Bahnhof in Neumünster Tauben gefangen. Ist das tierschutzrechtlich in Ordnung?

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05. Mai 2018, 09:00 Uhr

Neumünster | Normalerweise tummeln sich viele Tauben am Bahnhof. Doch seit drei Wochen ist es ruhig geworden. Das ist auch Rüdiger Muß vom Verein „Stadttauben“ aufgefallen und er fing an zu recherchieren. „Es wurden Fallen aufgestellt, um die Tauben zu fangen und zu entfernen“, sagt der 52-Jährige. In einem Brief an den sh:z wirft er der Bahn und der ausführenden Firma „Rentokil“ vor, dass die Aktion nicht tierschutzgerecht sei. Diese weisen den Vorwurf zurück.

„Die Lebendfallen werden nicht regelmäßig überprüft. Wie kann das dem Tierschutz entsprechen?“, fragt Muß. Bahn-Sprecherin Sabine Brunkhorst erwidert: „Die Fallen werden mindestens einmal täglich überprüft und von einer zertifizierten Firma betrieben“. Zudem sei man vom Gesundheitsamt aufgefordert worden, der „Taubenplage Herr zu werden“. Nachdem eine intensivierte Reinigung im Bahnhof zu keinem Erfolg führte, beauftragte man „Rentokil“ mit der Umsiedlung der Tiere.

Die Firma ist nach eigenen Angaben als tierschutzgerecht zertifiziert und arbeitet mit lokalen Tierschutzbehörden zusammen. Drei Lebendfallen wurden am Bahnhof aufgestellt, um die Zahl der Tauben nach und nach zu verringern. „Wir bringen die Vögel knapp 50 Kilometer weit weg vom Bahnhof und siedeln sie dort an“, erklärt Christian Klockhaus, Sprecher der Firma.

Diese Entfernung reiche jedoch nicht aus, sagt Muß. „Tauben sind standorttreu. Also müsste man sie sehr weit wegbringen, damit sie auch wirklich nicht zurückkommen.“ Allerdings würden die Tiere dann beim Versuch, ihre Heimat zu erreichen, sterben. „Wir hätten auch die Erlaubnis, die Vögel zu töten. Aber das wollen wir absolut nicht. Aus diesem Grund haben wir nach milden Maßnahmen gesucht“, so Klockhaus, der bekräftigt, dass das Fangen tierschutz- und umweltgerecht sei. Er gab zu, dass es durchaus sein könnte, dass die Tiere zurück zum Bahnhof kommen. Hier möchte Rüdiger Muß ansetzen. „Man könnte auch ein Taubenhaus am Bahnhof installieren“, schlägt er vor. Dieses müsste von Freiwilligen betreut werden, würde die Vögel aber ebenfalls aus dem Bahnhof locken. „Leider haben wir in Neumünster wenig Freiwillige.“

Beide Seiten sind sich einig, dass es zu viele Tauben am Bahnhof gibt, die sich um die wenige Nahrung streiten. Der Verein „Stadttauben“ hätte sich jedoch eine bessere Zusammenarbeit bei den Maßnahmen gewünscht. Aktuell sind die Fallen nicht scharf gestellt. Man möchte abwarten, ob die Tauben zurückkommen.

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