Abstellgleise verschwinden : Bahn nutzt Neumünster als Zentrallager

Pro Zug kommen derzeit dreimal pro Woche 2000 Tonnen Split für den A7-Ausbau am Kombiverkehrsterminal an und werden auf Laster verladen.
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Pro Zug kommen derzeit dreimal pro Woche 2000 Tonnen Split für den A7-Ausbau am Kombiverkehrsterminal an und werden auf Laster verladen.

Unter der Max-Johannsen-Brücke entsteht ein Umschlagplatz für tonnenweise Material, das für die Sanierungen der Bahn im Land vorgesehen ist.

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04. Juni 2015, 06:15 Uhr

Neumünster | Das Gelände unter der Max-Johannsen-Brücke zwischen dem neuen Kombi-Verkehrsterminal, dem Lokschuppen und dem Stellwerk wird zum landesweit zentralen Lagerplatz für die anstehenden Sanierungen und Streckenausbauten der Deutschen Bahn in Schleswig-Holstein. Das bestätigte jetzt Konzernsprecher Egbert Meyer-Lovis. Auf rund 7000 Quadratmetern sollen tonnenweise Schienen, Schwellen, Schotter und weiteres Material hauptsächlich per Waggons, aber auch mit Lastern über die Brückenstraße angeliefert und abgeholt werden.

In den kommenden Jahren stehen einige Arbeiten im Land an. Erneuert oder ausgebaut werden sollen nach Angaben von Meyer-Lovis unter anderem die Strecken Neumünster-Flensburg, Neumünster-Wrist und Elmshorn-Sylt. Die zentrale Lage der Stadt im Land biete sich als Umschlagplatz an, sagt Meyer-Lovis. Seit einigen Tagen laufen die Vorbereitungen.

Bagger nehmen die von 1947 bis 1951 errichteten und seit Jahrzehnten stillliegenden Gleise vis á vis des Ausbesserungswerkes auf. „Anschließend wird der Kampfmittelräumdienst die Fläche untersuchen. Das soll bis Ende Juni abgeschlossen sein, und dann kommt das Material. Bis Anfang August soll das Lager gefüllt sein“, nennt Meyer-Lovis den weiteren Zeitplan. Die entfernten Schienen werden zum benachbarten Kombi-Verkehrsterminal (KVT) gebracht, verladen und zur Verwertung in Hochöfen transportiert.

Dreimal pro Woche liefern Züge am KVT derzeit außerdem den Splitt für den A7-Ausbau an. Das Material wird auf Laster verladen und dann direkt auf eine extra planierte Baustellen-Fläche bei Brokenlande gefahren. Rund 6000 Tonnen lagern dort mittlerweile – und die Berge wachsen weiter. „Die Auslastung des Terminals ist momentan sehr gut“, sagt Ingo Dewald-Kehrer, technischer Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Intermodal. Und auch im Lokschuppen gehen die Arbeiten weiter. Die Mitglieder des Vereins Kulturlokschuppen haben zwei Waggons auf das Gelände geschafft, das erste Festival ist in Planung.

STANDPUNKT

Von Christian Lipovsek

Neumünster war schon seit der Eröffnung der ersten Strecke Kiel – Altona 1844 eine Eisenbahnerstadt. Leider zog sich die Bahn ab den 90er-Jahren immer weiter zurück, geblieben ist letztlich nur das Ausbesserungswerk. Nun entsteht unter der Max-Johannsen-Brücke wieder ein neuer Bahn-Stadtteil mit Kombi-Verkehrsterminal, dem Schienenzentrum Kulturlokschuppen und jetzt auch noch einem neuen (vielleicht dauerhaften?) Lagerplatz für Materialien. Das ist ein Gewinn für die Stadt und wird mit Sicherheit weitere positive Effekte zur Folge haben. Doch eines muss man beachten: Die Zahl der Laster im Stadtgebiet, vor allem auf der Rendsburger Straße, wird zunehmen. Das darf man bei den kommenden Verkehrskonzepten nicht aus den Augen lassen.

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