Tungendorf : Bagger pflügten Biotop am Moorweg um

Helga Bühse zeigt auf den Bereich, den die Bagger umgepflügt haben.
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Helga Bühse zeigt auf den Bereich, den die Bagger umgepflügt haben.

Am Stitzenredder in Tungendorf will die Stadt der kanadischen Goldrute beikommen. Sie vermehrt sich stark und verdrängt einheimische Pflanzen

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25. März 2014, 06:00 Uhr

Neumünster | Die ehemalige Kiesabbaufläche zwischen Moorweg und Stitzenredder in Tungendorf ist ein Kleinod in der Biotop-Verbundachse nach Einfeld. In den beiden kleinen Teichen laichen die Kreuzkröte und der Laubfrosch, die Trockenvegetation ist von seltenen Pflanzen wie Hasenklee, Mauerpfeffer oder Bergsandglöckchen geprägt.

Auf Unverständnis stößt daher nicht nur bei Helga Bühse, dass die Stadt Anfang März Teile der Fläche mit einem Bagger umpflügen ließ. „Ich war sprachlos. Wie kann man in einem so sensiblen Bereich nur mit dem Bagger rumtoben?“, sagt Helga Bühse und kritisiert den „massiven Eingriff in ein Biotop“. Weder der Naturschutzbeirat noch der städtische Umweltausschuss seien über die Maßnahme informiert worden.

Umwelt-Fachdienstleiter Heinrich Kautzky gibt jedoch Entwarnung: „Das sieht zugegeben zunächst etwas wüst aus, aber das gibt sich und wächst wieder zurecht.“ Auf der städtischen Biotopfläche, die im Volksmund der Tungendorfer auch Bauer Heins Kieskuhle heißt, hat sich laut Kautzky die kanadische Goldrute ausgebreitet. „Sie ist sehr schön für die Blumenvase, breitet sich durch ihre fliegenden Samen aber explosionsartig aus und unterdrückt alles andere. Das wollen wir verhindern“, sagt Kautzky.

Vor allem auf brach liegenden Äckern und Bahnanlagen wächst dieser typische Gartenflüchtling in großen Kolonien und wird dabei bis zu zweieinhalb Meter hoch. In Europa hat die Pflanze keine natürlichen Fressfeinde. Sie verdrängt die einheimischen Licht liebenden Pflanzen und damit auch Tierarten, die sich von diesen Pflanzen ernähren. „Wir wollen im Grunde, dass das Gelände sich selbst überlassen wird, aber auch gegensteuern, damit sich solche Fremdlinge nicht ausbreiten“, so Heinrich Kautzky.

Die Flächen an den beiden Teichen seien daher mit einem Bagger umgebrochen, zum Teil auch planiert worden. „Damit können wir die Fläche notfalls vor der Samenreife mähen“, sagt Heinrich Kautzky für den Fall, dass das Unterpflügen die Goldrute nicht unterdrücken kann.

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