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Johannes-Passion : Bach-Chor interpretierte die Leidensgeschichte Jesu

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Johannes-Passion am Karfreitag in der Vicelinkirche wurde sehr überzeugend dargestellt.

Neumünster | „Wunderbar!“ Sichtlich erfüllt kam Simone Bremer mit leuchtenden Augen den Seitengang der Vicelinkirche herunter. „Es ist immer wieder eine große Herausforderung, die Johannis-Passion zu singen“, sagte die Pastorin der Vicelinkirche. Bereits zum vierten Mal hat sie als Mitglied des Bach-Chores am Karfreitag das große oratorische Werk von Johann Sebastian Bach begleitet – aber trotzdem berührt sie die dramatische Geschichte jedes Mal aufs Neue.

Zwei Stunden hatten die 70 Laiensänger des Bach-Chores gemeinsam mit dem Concerto Lübeck unter der Leitung der Konzertmeisterin Almut Frenzel-Riehl und den professionellen Sängern Wolfgang Klose, Titus Witt, Lucas Singer, Nadine Balbeisi und Silke Hartsang die Leidens- und Todesgeschichte des Jesus von Nazareth musikalisch nachgezeichnet.

Als tragendes Element trat der Chor in Erscheinung. Den Gestaltungsebenen des fulminanten Werkes wurden die Sänger auf allen Ebenen gerecht. Vor allem der große Eingangschor „Herr, unser Herrscher“ und der Schluss-Chor „Ruht wohl, ihr heiligen Gebeine“ überzeugten durch Klangschönheit und musikalische Gestaltung. Während des „Kreuzige-Chors“ war die Boshaftigkeit der Menschen fast körperlich spürbar, und im „Sei gegrüßet, lieber Jüdenkönig“ wurde der abgrundtiefe Spott der Massen überdeutlich. Besonders schön gelang dem Chor die Interpretation der Choräle, wie etwa bei der Arie „Mein teurer Heiland, lass dich fragen“. Im Zwiegespäch mit dem Bass-Bariton Titus Witt wurde die christliche Botschaft des Weiterlebens nach dem Tode überzeugend mit „Ja!“ beantwortet.

Einzig die Alt-Solistin Silke Hartsang konnte nicht überzeugen. Ihr gelang es nicht, den Höhepunkt der Passion „Es ist vollbracht“ eindringlich zu gestalten. Sehr schön hingegen führte Wolfgang Klose als Evangelist die Zuhörer durch die Geschichte. Stets stand sein Gesang im Dienste der Erzählung. Mit seinem klangschönen Bass überzeugte auch Lucas Singer in der Rolle des Jesus. Einen weiteren Höhepunkt bildete die Arie „Zerfließe, mein Herze“ der Sopranistin Nadine Balbeisi.

Unter der sicheren Gesamtleitung von Kantor Dr. Karsten Lüdtke gelang den Musikern ein sehr ergreifendes Konzert. So begeistert waren die 250 Besucher, dass sie nach dem Läuten der Totenglocken am Ende sogar langanhaltend applaudierten – für ein Karfreitag-Konzert eine eher unübliche Geste, für die musikalische Leistung aber überaus angemessen.

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