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Raub von Einfeld : Autokauf mit lauter 50-Euro-Scheine in der Plastiktüte

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Im Prozess um den Raub von Einfeld schilderte gestern ein Zeuge ein besonderes Geschäft. Das Geld kam in kleinen Scheinen.

Neumünster | Nur wenige Tage nach dem brutalen Raub in Einfeld im vergangenen Sommer  soll einer der drei Angeklagten in Niedersachsen ein teures Auto gekauft – und bar bezahlt haben.  Gestern, am fünften  Verhandlungstag,  war dieses Geschäft im Prozess vor dem Kieler Landgericht ein zentraler Punkt  für die Juristen. Seit Ende April müssen sich dort drei Männer  (25, 29 und 45 Jahre alt) aus Neumünster wegen räuberischer Erpressung, schweren Bandendiebstahls und Einbruchs  verantworten (der Courier berichtete).

Die Anklage wirft ihnen   vier bandenmäßig begangene Raub- und Diebstahlstaten vor. Der Raub am Seewisch in Einfeld in der Nacht zum 21. Juni 2016, bei dem ein älteres Ehepaar (73 und 75) überfallen, geschlagen, gefesselt und stundenlang hilflos in einen kleinen Raum gesperrt worden war, rechnen die Ermittler dem Trio ebenso zu wie die  Einbrüche in eine Autowerkstatt im Kreis Steinburg sowie in ein leerstehendes, jedoch voll eingerichtetes Haus in Gadeland.   Als die drei Männer am  2. November 2016 laut Anklage gerade  in die Villa eines Seniorenpaares (beide 86) in Wittorf einsteigen wollten, schlugen Spezialkräfte der Polizei zu.  Die Angeklagten waren nach und nach über Monate oberserviert worden.   Sie bestreiten, den Raub in Einfeld begangen zu haben. Dort  waren Wertsachen und Bargeld erbeutet worden, darunter  offenbar viele 50-Euro-Scheine.

Der Autoverkäufer (37), der  aus Walsrode nach Kiel gekommen war, konnte sich  an   das fragliche  Geschäft noch gut erinnern. Der Privatmann hatte einen Audi A7  im Sommer 2016 für einen Freund im Internet zum Verkauf  angeboten. „Da hat dann jemand Interesse bekundet. Es wurde ein Besichtigungstermin vereinbart. Es kamen zwei Männer und eine  junge Frau mit langen blonden Haaren“, schilderte  er.

Der Angeklagte Michael B. (29) soll dabei gewesen sein. Vor Gericht meinte der Zeuge, ihn wiederzuerkennen. „Vom ersten optischen Eindruck hatte ich  ja nicht gedacht, dass die Leute  das Auto  kaufen können. Daher habe ich das erste Treffen gar nicht so ernst genommen“, meinte der Zeuge. Doch wenig später meldeten sich die Interessenten erneut. Mehrere  Handy-Nachrichten  über den Preis wurden ausgetauscht.  Man habe sich auf 40750 Euro geeinigt, so der Mann aus Niedersachsen. Am Folgetag, am  Sonnabend, 2. Juli, seien Michael B., die Frau sowie ein oder zwei weitere Männer dann abends gekommen, um  das Geschäft abzuwickeln.

Der Termin blieb dem Verkäufer  im Gedächtnis: „Da war  das Viertelfinale Deutschland gegen Italien. Ich bin zwar kein Fußballfan, darum war es mir egal. Aber normalerweise hat doch dann niemand Zeit“, meinte er.  Und noch etwas erinnerte der Zeuge genau:  Das Geld wurde ihm damals in einer Plastiktüte bar überreicht. „Das meiste waren 50-Euro-Scheine.  Das störte mich, dass das so kleine Scheine waren. Sie waren gebündelt und wurden mit Gummibändern zusammengehalten. Ich hatte einen Kumpel dabei, der hielt die Tüte, ich habe gezählt“, so der Verkäufer. Um kein Falschgeld zu bekommen, prüfte der Mann ab und zu einen Schein. Der Vertrag wurde nach  Aussage des Zeugen auf den Namen der Frau gemacht.

Nur gut drei Minuten dauerte gestern ein weiterer zentraler Punkt der Verhandlung. In dieser Zeit war  die  Sequenz aus einer Telefonüberwachung zu hören, die der Vorsitzende Richter  abspielte:  Männerstimmen, Fahrgeräusche sowie Anweisungen zum Weg waren dort  zwischen Knacken und Rauschen  zu vernehmen. Und dann ging es plötzlich „um die Sache in Einfeld“. „Da hab’ ich ja nichts mit zu tun“, verkündete eine Männerstimme. Es folgte    schallendes Gelächter.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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erstellt am 10.Jun.2017 | 08:53 Uhr

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