Nadelöhr A7 : Autobahnpolizei Neumünster im Baustellen-Stress

Die Baustellen an der A7  brauchen, wie hier bei Brokenlande, viel Platz. Der Reiseverkehr muss manches Nadelöhr passieren.
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Die Baustellen an der A7 brauchen, wie hier bei Brokenlande, viel Platz. Der Reiseverkehr muss manches Nadelöhr passieren.

In mehreren Bundesländern sind Ferien - das verschärft die Lage für die Beamten auf der A7. Mehr Staus, mehr Unfälle.

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12. Juli 2015, 14:00 Uhr

Neumünster | Mit den Ferien beginnt für die Polizisten auf dem Autobahnrevier wieder die heiße Phase. In diesem Jahr haben sie sogar noch verschärfte Bedingungen. Denn der gesamte Reiseverkehr nach Skandinavien wird sich durch die Baustellen auf der Autobahn 7 quetschen müssen. Und das hat Folgen: Staus, kleinere Unfälle, aber auch größere Karambolagen halten die Beamten in Atem. Mittlerweile wurde deshalb das Personal aufgestockt.

Das Revier der Neumünsteraner erstreckt sich über 63 Kilometer von der Kanalbrücke bis zum Stadtrand von Hamburg. Zurzeit ist die Strecke wegen des Baus einer dritten Spur drei Mal durch Baustellen von jeweils rund zehn Kilometern Länge unterbrochen: Eine befindet sich auf Höhe Kaltenkirchen, eine bei Bad Bramstedt und eine führt direkt am Autobahnrevier vorbei.

Für die Autofahrer bedeutet das: Auf gut 30 Kilometern ist die Fahrbahn enger und das Tempo deshalb aus Sicherheitsgründen auf 80 Stundenkilometer gedrosselt. Dennoch kommt es immer wieder zu Unfällen – und das, obwohl die Fahrbahnen in den hiesigen Baustellen meist deutlich breiter sind als in solchen Fällen üblich. „Wir haben uns nach vielen negativen Erfahrungen auf anderen Autobahnen dafür stark gemacht“, erklärt der Erste Polizeihauptkommissar Hans-Joachim Einfeldt, Leiter des Autobahnreviers. Während Fahrbahnen in Baustellen meist nur 2,50 Meter (linke Spur, für Pkw) und 3 Meter (für Lkw) Breite messen, sind auf der A7 zurzeit 2,85 Meter und 3,25 Meter Breite vorgesehen. Zum Vergleich: Außerhalb von Baustellen beträgt die Fahrbahnbreite 3,75 Meter.

Doch auch die breiteren Spuren konnten bisher nicht verhindern, dass es in den Baustellen immer wieder krachte. Im Mai gab es im Zuständigkeitsbereich der Neumünsteraner insgesamt 114 Unfälle, 64 davon waren in den drei Baustellen. Allein 16 wurden zwischen Neumünster Mitte und dem Bordesholmer Dreieck gezählt. Vier Mal wurden Menschen verletzt. Im Juni gab es in der Baustelle auf Höhe Neumünster 12 Unfälle, einmal mit Verletzten. Eine häufige Ursache sind laut Einfeldt zu breite Fahrzeuge wie Sprinter oder Geländewagen, die trotz Überholverbots die schmalere linke Spur benutzen. Einige Fahrer wissen dabei offenbar nicht genau, wie breit ihr Vehikel eigentlich ist. Andere übersehen die Schilder, wenn sich die Fahrbahn stellenweise auch in der Baustelle noch mal verengt. „Spiegel-Rempler“, nennen die Beamten die glimpflichen Folgen, wenn sich zwei Fahrzeuge nur leicht touchieren. Doch häufig erwachsen aus den kleinere Blechschäden größere Auffahrunfälle. Gaffer auf der Gegenfahrbahn machten den Beamten auch schon das Leben schwer, wenn sie beim Fotografieren mit dem Handy ebenfalls vom Weg abkamen.

Fast sicher ist als Konsequenz immer ein längerer Stau, weil in den Baustellen die Standspur fehlt. Zwar gibt es alle anderthalb Kilometer Nothaltebuchten, doch die erreicht lange nicht jeder Unfallwagen oder Liegenbleiber. Da kann ein geplatzter Reifen, der laut Hans-Joachim Einfeldt an vielen voll beladenen Urlauberautos aufgrund des falschen Reifendrucks häufig vorkommt, schon das Aus für den Verkehrsfluss bedeuten.

Weil die Fahrer in den engen Baustellen keine Rettungsgasse bilden können, ist bei Polizei und Rettungsdienst die tägliche Vorbereitung zurzeit besonders wichtig. Sie müssen sich permanent mit den Möglichkeiten vertraut machen, wie sie zur Not auf Umwegen über die Baustellen an Unfallstellen herankommen können. Mit Hilfe von Peter Schreiber, Verkehrskoordinator des Baukonsortiums, werden immer wieder neue sogenannte Befahrbarkeitspläne erstellt, damit die Retter wissen, wo sie abkürzen können. Weil direkt nach den Baustellen viele Fahrer die verlorene Zeit aufholen wollen und ordentlich aufs Gas treten, kracht es auch jenseits der Nadelöhre zurzeit besonders oft.

Für die Beamten bedeutet die vierjährige Bauphase deutlich mehr Einsätze. Dem wurde bereits Rechnung getragen. Das Personal wurde um drei Kollegen auf 46 Beamte aufgestockt. Außerdem helfen Kräfte des Bezirksreviers Rendsburg aus. Laut Revier-Leiter Einfeldt „zeichnet sich ab, dass es eine dauerhaft Mehrbelastung ist“.

Autobahnausbau -  Die Fakten:

Aufgrund des zunehmenden Verkehrsaufkommens auf der Autobahn 7 wird die Strecke in den kommenden vier Jahren in beide Richtungen mit einer dritten Spur ausgestattet. In Hamburg gibt es  einen  vierten  Fahrstreifen.  Zwischen der Stadtgrenze Hamburgs und dem Bordesholmer Dreieck fahren zurzeit täglich insgesamt rund 72000 Fahrzeuge.  Prognostiziert sind für die kommenden Jahre 102000 Fahrzeuge.  In Hamburg sind es zurzeit 152000 Fahrzeuge, Prognose: 165000. Der Anteil des Schwerlastverkehrs liegt bei rund elf Prozent. Das sind zirka fünfeinhalb große Lastzüge pro Minuten.

Aktuelle Verkehrsmeldungen finden Sie auf www.shz.de/verkehr. Mehr zum A7-Ausbau aufwww.shz.de/a7.

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