Auto-Rowdy kommt mit blauem Auge davon

24-Jähriger soll auf einen Kinderwagen zugerast sein / Widersprüchliche Zeugenaussagen lassen Anklage zusammenschmelzen

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23. Juli 2018, 11:51 Uhr

Die Anklage war nicht ohne, blieb aber – nicht zuletzt aufgrund ungenauer und widersprüchlicher Zeugenaussagen – auf halber Strecke stecken.

Am 3. Februar vergangenen Jahres soll der 24-jährige Angeklagte seinen Wagen an der Tungendorfer Schulstraße mit hoher Geschwindigkeit auf den Bürgersteig gesteuert und dabei einen Vater mit seinem Kinderwagen nur um ein Haar verfehlt haben. Anschließend soll er dem Vater den „Stinkefinger“ gezeigt haben und dann davongebraust sein: Versuchte gefährliche Körperverletzung lautete der Hauptvorwurf der Staatsanwaltschaft.

Aber schon der junge Vater als erster Zeuge machte die Wahrheitsfindung für das Schöffengericht gestern schwierig: Er konnte sich zwar gut daran erinnern, dass der Wagen den Kinderwagen nur „äußerst knapp“ verfehlt habe, er noch vergeblich versucht habe, den Fahrer zur Rede zu stellen und er dann zur Beruhigung erstmal eine Zigarette rauchen musste (statt die Polizei zu rufen) – bei wesentlichen Details verhedderte er sich aber: So war er sich auf Nachfrage plötzlich nicht mehr sicher, ob der Wagen tatsächlich von hinten oder vorne auf ihn zugefahren war. Dabei hatte er dem Gericht noch unmittelbar zuvor beschrieben, wie der Fahrer wenige Meter vor ihm gehalten und sich durch das Seitenfenster mit einer Passantin unterhalten habe.

Auch eine Nachbarin, die den Vorfall beobachtet und die Polizei gerufen hatte, konnte diesen Widerspruch nicht auflösen. Immerhin bestätigte sie den Fast-Zusammenstoß auf dem Bürgersteig: „Er fuhr etwa einen halben Meter an dem Kinderwagen vorbei.“ Wie schnell er dabei unterwegs war, könne sie nur schwer schätzen, bedauerte die Zeugin: „Aber es war deutlich mehr als Schrittgeschwindigkeit.“

Ihr Eindruck von dem jungen Fahrer, der in der Nachbarschaft offenbar für seinen „Fahrstil“ bekannt ist: „Der hat öfter mal Gas gegeben, um zu provozieren, aber ich glaube nicht, dass er jemanden verletzen wollte.“

Das Gericht zog daraus seine Schlüsse und stellte das Verfahren gegen den 24-Jährigen wegen geringer Schuld ein. Nicht alle Zuhörer im Gerichtssaal waren mit dieser Entscheidung einverstanden: „Offenbar kann man kleine Kinder auf der Straße gefährden, ohne dass man Konsequenzen befürchten muss“, erboste sich eine junge Mutter.

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