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Holsteinischer Courier

17. Dezember 2017 | 15:29 Uhr

Tungendorf-Dorf : Ausverkauf im Hof Tuchtenhagen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Familienbesitz seit 1865: Gunda und Hans-Günter Tuchtenhagen geben ihren Hof auf. Die Wobau plant hier ein neues Wohngebiet

von
erstellt am 21.Jan.2014 | 09:30 Uhr

48 Jahre lang war Hans-Günter Tuchtenhagen (64) aus Tungendorf-Dorf ein Landwirt mit Leib und Seele. Jetzt ist Schluss, denn Tuchtenhagen setzt sich zur Ruhe. Die etwa 8000 Quadratmeter große Hofstelle am Süderdorfkamp 78 wird abgerissen.

Tuchtenhagen hat sie an die städtische Wobau verkauft, die hier ein neues Wohnquartier plant (der Courier berichtete). Die 67 Hektar landwirtschaftlichen Flächen seines Betriebes verpachtet Tuchtenhagen an seinen Kollegen Jochen Riepen. Beide wirtschafteten bereits seit 1999 gemeinsam in einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Das von seiner Frau Gunda (59) betriebene Bauernhofcafé schloss schon zum 20. Dezember seine Pforten.

„Ich werde im Februar 65 Jahre alt und werde es etwas ruhiger angehen lassen“, sagt Tuchtenhagen. Er habe lange genug als Landwirt gearbeitet. 1966 begann er seine Ausbildung, 1977 übernahm er den seit 1865 im Familienbesitz betriebenen Hof von seinem Vater Werner. Die Entscheidung, den Hof irgendwann aufzugeben, stand schon lange fest. „Meine drei Töchter Birthe, Corinna und Daniela haben alle ihren Beruf und wollten den Hof nicht weiterführen“, sagt Tuchtenhagen.

Das nimmt er ihnen auch nicht übel. Die Arbeitsbelastung auf einem Vollerwerbshof ist hoch. Jahrzehnte lang hieß es: Arbeit von morgens 5.30 bis abends um 18.30 Uhr – in der Ernte natürlich länger. Und das sieben Tage in der Woche. Mit seiner Frau Gunda, einem Gesellen und manchmal auch einem Praktikanten betrieb Hans-Günter Tuchtenhagen einen Schweine- und Rinderzuchtbetrieb, hielt Milchvieh und betrieb Ackerbau. Das bedeutete stets viel Hand- und Knochenarbeit, etwa beim Misten mit der Schubkarre. Entlastung und mehr Freiraum für Privates brachte erst die landwirtschaftliche GbR. 2002 gaben Tuchtenhagens die Schweinezucht auf und schufen sich mit dem Bauernhofcafé ein zusätzliches Standbein.

Ob er sich heute nochmal entscheiden würde, Landwirt zu werden? „Ich weiß es nicht“, sagt Hans-Günter Tuchtenhagen angesichts des stets gestiegenen bürokratischen Aufwands und der Auflagen und Vorschriften, die ihn als freien Unternehmer einengen. „Ich bin deshalb auch nicht traurig, dass ich jetzt aufhöre“, sagt er.

Die Familie ist vorübergehend in das Altenteilerhaus des Hofes umgezogen. Das dient als Unterkunft, bis die Wobau den Tuchtenhagens ein neues Einfamilienhaus gebaut hat, voraussichtlich im Herbst. Erste Pläne für eine Nachnutzung des Hofes gab es bereits in der Dorfentwicklungsplanung von 2006. Sie mündete 2009 in den Bebauungsplan 41A. Geht es nach dem Stadtteilbeirat, soll die neue Straße im künftigen Wohngebiet nach dem früheren Tungendorfer Amtsvorsteher Hinrich Riepen benannt werden (der Courier berichtete).

In der aufgegebenen Hofstelle ist jetzt Ausverkauf. Noch bis zum kommenden Sonnabend verkaufen die Tuchtenhagens ihren Hausrat und das Inventar des Cafés bei einem Flohmarkt in der Diele des Hofs.

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