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Boostedt : Ausstellung im Hof Lübbe: Einfache Motive, tiefgründige Gedanken

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Fotos und Texte von Flüchtlingsfrauen berühren die Ausstellungsbesucher.

Boostedt | Flüchtlingsfrauen aus dem vorderen Orient haben ein bewegtes Leben. Bevor sie in Deutschland eine feste Bleibe finden, verschwinden sie in der Anonymität der Masse. Etwas Bleibendes, sehr Persönliches aus der Sicht der geflüchteten Frauen wird noch bis 31. März im Boostedter Hof Lübbe gezeigt: eine Ausstellung von etwa 30 großformatigen Fotos, die schutzsuchende Frauen in Neumünster gemacht haben.

„Wir wollten den Frauen die Möglichkeit geben, uns ihre Situation aus ihrer Perspektive zu zeigen“, erklärte Rike Müller von der Flüchtlingsberatung Diakonie Altholstein, die zusammen mit dem Beauftragten für Flüchtlingsfragen des Landes Schleswig-Holstein, Torsten Döhring, die Ausstellung mitorganisiert hat. Etwa zehn Frauen haben Einwegkameras bekommen und sind losgezogen, um Fotos zu machen von Motiven, die ihren ganz persönlichen Blick auf Deutschland ausdrücken. Die selbstverfassten Erklärungen unter den Fotos wurden wortwörtlich ins Deutsche übersetzt. Die Namen oder die genaue Herkunft der Frauen stehen nicht auf den Bildern, zu deren Sicherheit.

„Die Ergebnisse haben uns sehr überrascht. Eine Pritsche in der Flüchtlingsunterkunft kommt uns unzulänglich vor, für eine der Frauen aber bedeutet sie ein Zeichen der Sicherheit“, so Rike Müller weiter. Sicherheit und Freiheit sind die Grundthemen, die immer wieder in Bild und Text auftauchen. „Wir haben uns an Frauen gewandt, weil sie in einer verschärften Situation leben. Die meisten Frauen sind in ihren Herkunftsländern auch in Friedenszeiten massiv unterdrückt worden“, erklärt Rike Müller.

Hannah Burmeister (14) war eine der etwa 85 Besucher bei der Eröffnung im Hof Lübbe. Ein Bild von der Gefängnismauer der JVA Neumünster und der angefügte Text rührten sie besonders: „ Die Frau, die das Foto gemacht hat, war verblüfft, dass ein Gefängnis in Deutschland eine Besserungsanstalt sein soll. Sie kennt Gefängnisse als Orte der Grausamkeit.“ Und die 14-Jährige erklärte weiter: „Ich finde die Ausstellung interessant, weil sie eine andere Sicht auf für uns Alltägliches zeigt.“

Bevor im April die ersten Flüchtlinge in der Boostedter Kaserne ankommen, erhofft sich Rike Müller durch die Ausstellung, „dass die Skeptischen von den echten Gefühlen der Flüchtlinge erfahren und Vorurteile abbauen“. Das ist auch der Grund, weshalb die Kirchengemeinde Boostedt die Wanderausstellung, die es bereits seit 2012 gibt, ins Dorf geholt hat.

Besucherin Annegret Widdermann aus Großenaspe ist extra früh zur Eröffnung gekommen: „Ich wollte das in Ruhe auf mich wirken lassen. Die Texte gehen sehr zu Herzen. Darin werden so tiefe Gedanken bei einfachen Motiven ausgedrückt. Eine absolute Bereicherung.“

Interessierte können die Ausstellung bis 31. März nach Absprache unter Tel. 01 72/ 5 45 47 51 besuchen. 

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