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Holsteinischer Courier

20. November 2017 | 05:17 Uhr

Gasalarm in Wasbek : Ausnahmezustand im Dorf

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Salpetersäure und Natronlauge wurden zusammengeschüttet . Helfer waren fast zehn Stunden im Einsatz. Das Dorf war weiträumig abgeriegelt.

von
erstellt am 23.Okt.2017 | 12:49 Uhr

Wasbek stand gestern kopf. Rund um die Meierei an der Hauptstraße ging gar nichts mehr. Ein Lkw-Fahrer hatte gegen 10.20 Uhr Chemikalien an die Wasbeker Meierei geliefert, diese aber versehentlich in einen falschen Behälter mit einer anderen Chemikalie gefüllt. Dadurch traten gesundheitsschädliche Gase aus. Elf Menschen wurden verletzt. Der Bereich um die Meierei wurde weiträumig abgesperrt. Die Freiwilligen Feuerwehren aus Wasbek, Padenstedt, Ehndorf, Hohenwestedt sowie der Gefahrgut-Trupp des Kreises Rendsburg-Eckernförde waren mit 100 Leuten fast zehn Stunden im Einsatz.

Bei der Vermischung von Salpetersäure und Natronlauge war es zu einer starken thermischen Reaktion und zur Freisetzung von gefährlichen Gasen gekommen. Die Anwohner wurden aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Allerdings soll laut Polizei für die Anwohner keine Gefahr bestanden haben.

Acht Mitarbeiter der Wasbeker Meierei, zwei Feuerwehrleute und der 45-jährige Lkw-Fahrer wurden vorsorglich in verschiedene Krankenhäuser gebracht, da der Verdacht auf Atemwegsreizungen bestand. Ein Rettungshubschrauber brachte einen Notarzt an die Einsatzstelle. Einsatzkräfte in Schutzanzügen waren stundenlang damit beschäftigt, die Chemikalien zu neutralisieren und die Meierei wieder begehbar zu machen. Rund um die Einsatzstelle waberte durch das Gas entstandener Nebel. 400 Liter von dem gefährlichen Gemisch aus Salpetersäure und Natronlauge wurden abgepumpt. Um die Entsorgung kümmert sich nach Angaben der Feuerwehr die Meierei, die die Chemikalien verdünnt zur Reinigung der Anlagen und Tanks benötigt.

Wer gestern von der Industriestraße in die Hauptstraße biegen wollte, um nach Wasbek zu gelangen, wurde von der Polizei gestoppt. Die Polizisten hatten reichlich zu tun, um den Menschen zu erläutern, dass sie nicht nach Wasbek fahren können. Wer das Dorf verließ, musste damit rechnen, über Stunden nicht wieder zurückzukommen. Die Sperrung an der Hauptstraße wurde erst gegen 19 Uhr aufgehoben. Vorher konnte man nur über Ehndorfer Straße und Am Knüll in die Dorfmitte gelangen.

Kühls Gasthof liegt in unmittelbarer Nähe der Meierei, hatte aber gestern Ruhetag und somit keine Einbußen. Zum Zahnarzt am Lüttdörp konnten etliche Patienten nicht gelangen. Eine Frau, die gestern Geburtstag hatte, wartete auf ihren Besuch und erkundigte sich ungeduldig, wie lange die Sperrung denn noch dauern würde. Ihre Gäste konnten nicht nach Wasbek gelangen und tranken ohne das Geburtstagskind in Neumünster Kaffee.

Gegen 18.30 Uhr konnte die Feuerwehr das Gebäude wieder freigeben. Wasbeks Feuerwehrchef Oliver Neumann war mit seiner Truppe hoch zufrieden: „Der Einsatz ist super gelaufen.“ Es habe auch wenige Schaulustige gegeben, und keiner habe die Helfer behindert. Und zum Schluss konnte er sagen: „Es gab keine Umweltgefährdung.“

Gestern Abend teilte die Meierei mit, dass alle Maschinen still standen und auch heute noch nicht wieder produziert werden könne. Gegen den Lkw-Fahrer, der die Chemikalien zusammengeschüttet hat, ermittelt die Polizei wegen Körperverletzung. 

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