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Gedenkfeier : Aus Neubürgern wurden damals auch Nachbarn

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Bund der Vertriebenen feierte die deutsche Einheit. Am Berliner Platz wurde ein Kranz niedergelegt.

shz.de von
erstellt am 05.Okt.2015 | 08:00 Uhr

Neumünster | Stadtpräsidentin Anna-Katharina Schättiger erinnert sich noch sehr gut. Sie ist in Lübeck an der Wakenitz aufgewachsen, hat die Grenze hautnah erlebt: „Wir mussten vorsichtig sein, denn das andere Ufer war damals die DDR. Wir wurden bewacht, standen mit Feldstechern stets unter Beobachtung. Schon im Jugendalter habe ich es als schlimm empfunden und mich dafür eingesetzt, dass das nicht sein kann.“

Die Deutsche Einheit sei für viele Geschichte und Erinnerung zugleich. Dabei dürfe man den deutschen Weg in die Teilung nicht ausblenden, sagte die Stadtpräsidentin und ließ die Geschichte vor 40 Zuhörern zusammengefasst Revue passieren. „Ich habe den 9. November 1989 miterlebt, den Tag, an dem die Berliner Mauer fiel. Und er berührt mich noch heute“, sagte sie.

Die Feierstunde am Berliner Platz zum Tag der Einheit wurde in diesem Jahr zum achten Mal vom Bund der Vertriebenen (BDV) ausgerichtet. Der Kreisvorsitzende Willi Treetzen merkte in seinem Grußwort an, dass es vor 60 Jahren schon einmal eine Wiedervereinigung in Deutschland gegeben habe. „1955 stimmten die Saarländer gegen den Vorschlag, das Saarland zu einem europäischen Sondergebiet zu machen. Die Ablehnung ermöglichte am 1. Januar 1957 den Beitritt des Saarlandes zur Bundesrepublik“, erinnerte Treetzen. „Ich erzähle das, weil es auch schon damals wie später in der DDR die Bevölkerung war, die die Lage richtig eingeschätzt und die Politik zum Handeln bewegt hat“, sagte er. Aus Neubürgern wurden damals Nachbarn. „Vielleicht werden aus den Flüchtlingen, die in den jetzigen Tagen zu uns kommen, auch Neubürger und bald Nachbarn. Jeder von ihnen sollte die Chance bekommen“, so Treetzen.

Am Gedenkstein, dessen Inschrift „Einigkeit und Recht und Freiheit“ von der Reservistenkameradschaft Military Team Neumünster aufgefrischt wurde, legte der Verband einen Kranz nieder. Vor genau einem Jahr hatte Willi Treetzen angekündigt, den 25. Jahrestag in größerem Rahmen feiern zu wollen. „Es war bereits mit dem damaligen Stadtpräsidenten Friedrich-Wilhelm Strohdiek abgesprochen“, verriet Treetzen. Doch aufgrund des plötzlichen Todes Strohdieks und der derzeitigen Flüchtlings-Situation haben der BDV und auch die Stadt von größeren Feierlichkeiten abgesehen.




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