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Tierfilm : Aukruger will das Igel-Karussell filmen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Joachim Hinz bringt das Paarungsritual der Insektenfresser auf die Leinwand.

Aukrug | Auf Paarungsgeräusche im heimischen Garten sollte lauschen, wer im Abspann des nächsten Films von Joachim Hinz erwähnt werden will. Der renommierte Tierfilmer aus Aukrug-Innien ist allerdings auf der Suche nach ganz speziellen Paarungsgeräuschen, nämlich nach dem lautstarken Fauchen, das von Igelmännchen umworbene Igelweibchen beim „Igel-Karussell“ von sich geben. Wer dies inbrünstige Fauchen im Garten hört, soll sich – egal, zu welcher Tages- oder Nachtzeit – sofort beim Aukruger melden, der dann „wie die Feuerwehr“ (Hinz) zu Filmaufnahmen herbeieilen will. Man muss nicht zwangsläufig in Aukrug wohnen, damit ein Anruf bei Joachim Hinz Sinn ergibt. Das Paarungsritual der Igel ist nämlich eine ziemlich langwierige Angelegenheit. „Männchen und Weibchen drehen sich beim Igel-Karussell im Kreis und halten dabei oft über Stunden durch“, weiß Ursula Orsinger, 2. Vorsitzende des Komitees für Igelschutz Hamburg. „Wer bei offenem Fenster schläft, hat gute Chancen, solche Paarungsakte mitzukriegen, weil die Igel sich dabei richtig laut und ungeniert benehmen.“ Ursula Orsinger aus Barmstedt gehört zu den Experten, die Tierfilmer Joachim Hinz für sein neuestes Projekt konsultiert.

Bei „Geliebt und gehasst – Igel und Maulwurf im Garten“ handelt es sich um einen „typischen“ Hinz-Film, denn die Hauptdarsteller sind genau solche kleinen bis winzigen Säugetiere, auf die sich der Aukruger spezialisiert hat. „Kleine Tiere sind schwer zu filmen, das kostet Zeit, und Zeit ist Geld“, erklärt Hinz, warum sich auf seinem Spezialgebiet nicht allzu viele andere Tierfilmer tummeln.

Der aktuelle Dreh sei sein bisher schwierigstes Projekt. Was er dem eigenen Bekunden nach auch schon über die Dreharbeiten in Sachen Wasserspitzmaus und Haselmaus festgestellt hat, sagt er nun auch über sein Igel- und Maulwurfprojekt: „Das ist wieder so’n Hammer!“ Das liegt hauptsächlich am Maulwurf. „Der Igel ist zwar auch nicht einfach zu filmen, weil er nachtaktiv ist, insgesamt aber okay“, vermerkt Hinz, „aber beim Maulwurf ist alles anders.“ Der Maulwurf lebt als überzeugter Einzelgänger unter der Erde. „Wenn er einen anderen Maulwurf trifft, gibt es einen Kampf auf Leben und Tod“, berichtet Hinz. „Wie stellen sich die Leute vor, dass man dieses streng solitäre Verhalten filmen soll?“

Um den unterirdischen Lebenswandel des stachligen Kleinsäugers zu dokumentieren, hat sich der Aukruger beim Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) in Flintbek eine Genehmigung für das Halten eines Maulwurfs geholt. Der Maulwurf, den Hinz in seinem Garten in zwei mit Muttererde gefüllten und mit einem Gang verbundenen Kompostbehältern untergebracht hat, heißt „Grabowski“ – und lebt wie im Schlaraffenland. „Er bekommt jeden Tag Regenwürmer für drei Euro“, erzählt Hinz, „bei mir hat er ‚all inclusive‘.“

Der Tierfilmer dreht aber nicht nur mit „Grabowski“ im eigenen Garten, sondern ist auch oft im Naturgarten von Luise und Klaus Brenning in Aukrug-Bargfeld unterwegs. „Ich bin guten Mutes, weil der Film zu zwei Dritteln fertig ist“, konstatiert Hinz nach zwei Jahren Dreharbeit, „aber ich stehe jetzt schon ein bisschen unter Druck, weil einige Aufnahmen eben noch fehlen.“

Bilder von sich paarenden Igeln sind im Drehbuch fest eingeplant und sollen nun in Angriff genommen werden. „Bei der nächsten guten Wetterlage kann es theoretisch Mitte Juni abends in der Dämmerung losgehen“, so Hinz. „Ich will das Igel-Karussell gern aus allen Perspektiven filmen – auf Erdbodenhöhe, von oben und in der Totale mit Zoom aufs Geschehen“, kündigt Hinz an.

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erstellt am 10.Jun.2017 | 16:15 Uhr

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