zur Navigation springen

C. Sager Söhne : Aufstieg und Niedergang einer Tuchfabrik

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

1990 gingen in der Fabrik an der Kaiserstraße endgültig die Lichter aus. 1997 begann der Ausbau zum modernen Dienstleistungszentrum, und jetzt kommt das ECE-Center

von
erstellt am 27.Apr.2014 | 11:55 Uhr

Neumünster | 162 Jahre von 1828 bis 1990 prägte die Tuchfabrik C. Sager Söhne & Co. den Ruf von Neumünster als Stadt der Textilindustrie und „Manchester Holsteins“ mit. Bis zu 600 Menschen arbeiteten auf dem 15 000 Quadratmeter großen Fabrikgelände. Nach der Einstellung der Produktion entstand im historischen Ambiente des Sager-Viertels ein Dienstleistungszentrum mit Büros, Läden und Gastronomie. All das ist jetzt Geschichte: Viele Gebäude sind schon abgerissen, um Platz für die Holsten-Galerie zu schaffen.

Über die Anfänge der Fabrik ist nicht allzu viel bekannt. 1828 gründete Carl Severin Sager am Kleinflecken seine eigene Lohnfärberei und Appreturanstalt. Das Geschäft entwickelte sich, die erste primitive Kraftanlage, ein von Pferden angetriebener Göpel, wurde 1847 durch eine moderne Dampfmaschine ersetzt. 1851 baute Sager durch Angliederung einer Spinnerei und Weberei den Betrieb zu einer vollstufigen Tuchfabrik aus.

Das Wohnhaus der Familie befand sich „Hinterm Teich“, wo dann als Parallelstraße die Fabrikstraße entstand. 1858 fiel das Fabrikgebäude einem Brand zum Opfer. Carl Sager übergab das Geschäft an seine Söhne Julius und Andreas sowie an den Schwiegersohn Theodor Bartram.

Sie bauten die Fabrik wieder auf und aus, ließen eine moderne Gasleitung legen. 1890 war Sager mit 108 Beschäftigten sogar die größte Tuchfabrik der Stadt. Auch ein weiterer Großbrand 1893 bremste die Entwicklung nur kurz. 1914 hatte Sager 248 Beschäftigte.

Bei den Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg wurde die Fabrik zweimal schwer getroffen und war zu 65 Prozent zerstört. Beim Neustart 1945 wurden die Maschinen aus dem Schutt ausgegraben und zum Laufen gebracht. Den Dampf lieferten zwei kleine Dampfloks, heißt es in der Chronik zum 150-jährigen Firmenjubiläum aus dem Jahr 1978. Noch zwölf Jahre stemmte sich Sager dem Niedergang der Tuchindustrie entgegen, doch 1990 gingen mit der Insolvenz endgültig die Lichter aus.

1997 kaufte der Unternehmer Uli Wachholtz das Gelände von einer Hamburger Grundstücksgesellschaft, die es zuvor aus der Insolvenz erworben hatte. „Das Gelände war bis dahin immer mehr verfallen“, erinnert sich Wachholtz. 1997 übergab er dem damaligen Stadtbaurat Hansheinrich Arend ein Konzept für das Sager-Viertel. Die Stadt lobte sogar einen Architektenwettbewerb aus, aber der Entwurf wurde nie umgesetzt.

Wachholtz ließ das Gelände zu einem Parkplatz, Büroeinheiten und einer Markt- und Veranstaltungshalle umbauen. Die Schlagworte lauteten damals Sager-Kontor, Sager-Mercado und Sager-Event. „Als erster kam der katholische Dechant Hermann Haneklaus auf mich mit der Idee zu: ,Hier gründen wir ein Nonnenkloster’“, sagt Wachholtz. Doch aus dem Projekt wurde nichts. Auch die Markthalle mit täglichem Wochenmarkt blieb eine kurze Episode. Wachholtz: „Das war ein Flop. Die Markthändler waren erst begeistert und dann weg.“

Als Veranstaltungs- und Konzerthalle erlebte die Sager-Halle manchen Höhepunkt, etwa das Schleswig-Holstein Musik-Festival 2003 mit Stargeiger Nigel Kennedy. Auch als Kunstgalerie und Ausstellungsraum konnte sie glänzen, etwa bei der Nordskulptur 1999 oder der Nordskulptur Licht 2007. Uli Wachholtz: „Das Ziel war immer, hier die Innenstadt weiter durch einen zeitgemäßen Einzelhandel als Magneten zu entwickeln.“ Das wird jetzt ECE mit der Holsten-Galerie tun.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen