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Innenstadt : Aufsteller und Fahrradständer sollen weg

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Stadt hat eine neue Satzung für die Innenstadt erarbeitet und will dort buchstäblich aufräumen

von
erstellt am 17.Okt.2014 | 05:00 Uhr

Neumünster | Die Innenstadt soll schöner werden, und zu diesem Zweck hat die Stadtverwaltung eine „Gestaltungsrichtlinie“ erarbeitet. Kernpunkte sind: Der Wald der Werbeschilder und -fahrradständer soll verschwinden, die Nutzung der Gehwege für Verkaufsstände teurer werden.

Das Ziel ist, dass die Innenstadt ein attraktiveres Bild bietet, schrieb Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras an die Einzelhändler in der Innenstadt und lud sie zu einer Informationsveranstaltung ein. Etwa 25 von ihnen waren dazu erschienen.

Wenn die Ausschüsse und die Ratsversammlung der neuen Satzung zustimmen, soll sie möglichst schon im Januar 2015 in Kraft treten. Dann werden sich manche Gewohnheiten im Handel ändern müssen.

Gehwegaufsteller („Passantenstopper“), Werbefahnen und andere frei stehende Werbeanlagen sollen in der gesamten Innenstadt komplett verboten werden. Private Fahrradständer vor den Geschäften sollen weiter geduldet werden, dürfen aber künftig keine Werbung mehr aufweisen.

Außengastronomie ist grundsätzlich erwünscht, aber die Regeln für die Optik werden nach dem Plan der Verwaltung verschärft: Die Möbel dürfen keinen Werbeaufdruck haben, sollen einheitlich gestaltet und gern aus Holz, Rattan oder Edelstahl gefertigt sein. Unerwünscht sind Plastikmöbel und Bierzeltgarnituren. Ähnliches gilt für Pflanzgefäße als Abgrenzung von Sitzgruppen: Sie sollen einheitlich sein, nicht billig wirken und maximal 60 Zentimeter hoch sein, inklusive Pflanze maximal 1,40 Meter.

Der Mietpreis für gastronomisch genutzte Flächen bleibt bei 4 Euro pro Quadratmeter und Monat. Wer allerdings Waren vor seinem Geschäft präsentieren möchte, muss dafür künftig tiefer in die Tasche greifen: Der Preis pro Quadratmeter und Monat steigt von jetzt 7 auf 9 Euro.

Auf der Infoveranstaltung hat die Runde der Einzelhändler die Pläne mit den Vertretern der Stadtverwaltung intensiv diskutiert. „Manche Kritik war sehr deutlich. Besonders das komplette Verbot der Passantenstopper war umstritten“, sagte Matthias Neumann, Vorsitzender des Stadtmarketing-Vereins und Apotheker am Großflecken. Er findet es grundsätzlich gut, das Erscheinungsbild etwas zu reglementieren, befürchtet aber auch, dass die Stadt vielleicht über das Ziel hinausschießt. Sehr gut findet er, dass die Stadt vorher mit dem Handel spricht.

Maike Mundt von Blume 2000 am Großflecken sieht die neue Satzung im Grundsatz kritisch. „Der Handel muss sich auf die Holsten-Galerie einstellen. Und das erste, was wir seit dem Bürgerentscheid im Mai von der Stadt hören, ist ein Werbeverbot und eine Gebührenerhöhung. Das ist schade.“

Kommentar von Thorsten Geil:

Eine Überlegung ist das wert

Über Geschmack lässt sich nicht streiten, aber um den Anblick der Lütjenstraße noch schön zu finden, muss man wohl eingefleischter Kaufmann im Mobiltelefongewerbe sein. Auch an anderen Ecken ist zwischen den Passantenstoppern kaum noch Platz für unfallfreie Bewegung. Klar, jeder Händler weiß das: Die Schilder und Fahnen bringen Aufmerksamkeit und eine präzise Werbung für ein bestimmtes Produkt sogar definitiv mehr Umsatz. Aber den Wildwuchs etwas zu begrenzen, ist eine Überlegung wert.

Die ungeliebten Warenständer wird die Stadt mit der Erhöhung der Gebühren allerdings nicht los; das pflegt nur das Image der Abzocke. Überlegen sollten sich unsere Stadtväter auch, wo die Räder alle parken sollen, wenn die Händler ihre Fahrradständer wegschließen; die werden nämlich sehr gut genutzt.

Und apropos Aufenthaltsqualität: Kann man nicht mal was gegen die aufdringlichen Spendensammler vor der Lütjenstraße machen? Die sind manchmal wirklich lästig.

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