zur Navigation springen

Flüchtlingsarbeit : Aufruf zu Offenheit und Begegnung

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Dietrich-Bonhoeffer-Kirchengemeinde klärte interessierte Bürger auf einer Informationsveranstaltung über ihre Flüchtlingsarbeit auf.

Neumünster | Angesichts verheerender Kriege weltweit ist die Zahl der Asylsuchenden auch in Deutschland sprunghaft gestiegen. 6000 Flüchtlinge werden in diesem Jahr allein in Schleswig-Holstein um Asyl bitten. „Wie soll das weitergehen? Werden wir überlaufen? Wollen wir sie als Gäste begrüßen? Wollen wir sie als Brüder und Schwestern empfangen?“ Diese Fragen stellte Pastorin Isabel Frey-Ranck am Dienstagabend während einer Informationsveranstaltung der Dietrich-Bonhoeffer-Kirchengemeinde. Insgesamt 120 interessierte Bürger und Asylsuchende waren gekommen, um sich über die kirchliche Flüchtlingsarbeit zu informieren und Einblicke in ihre persönlichen Schicksale zu geben.

Informationen für alle und reger Austausch untereinander. Diesem Ziel hat sich die Kirchengemeinde verschrieben. Auch deshalb stellt der Kirchenkreis Altholstein eine halbe Pfarrstelle als personelle Unterstützung zur Verfügung. Seit Juni ist Isabel Frey-Ranck als Flüchtlingsseelsorgerin tätig. „Es entspricht unserem christlichen Selbstverständnis, sich des Themas anzunehmen“, sagte Propst Stefan Block.

„Wir verstehen uns als Seelsorger in der Kirchengemeinde, und als Sozialverband Diakonie sehen wir unseren Auftrag darin, jeden, unabhängig von Religion und Nationalität, rechtlich zu beraten und zu unterstützen“, erklärte Block. „Mir persönlich liegt die Flüchtlingshilfe sehr am Herzen. Auch deshalb bin ich heute Abend zur Veranstaltung gekommen.“ Eine Woche wird der Propst die Flüchtlingsarbeit der Bonhoeffer-Gemeinde inhaltlich begleiten und am Sonntag, 12. Oktober, während eines Gottesdienstes über seine Erfahrungen berichten.

Einen Überblick über die mannigfaltige Arbeit gab Isabel Frey-Ranck. Zum Beispiel Gottesdienstangebote mit Dolmetschern, internationale Kochprojekte, Fußball-Turniere und Tanzveranstaltungen. Angebote also, bei denen die Sprachbarrieren keine große Rolle spielen. „Viele Flüchtlinge sehnen sich nach Integrationsmöglichkeiten, nach dauerhaftem Kontakt zu Einheimischen und nach Möglichkeiten zum gegenseitigen Austausch“, weiß Isabel Frey-Ranck aus ihren Erfahrungen. Auch deshalb wollen sie und ihr Team den Ausbau von Deutschkursen forcieren.

Ein großer Schritt Richtung Verständigung ist bereits getan. Im Juni konnte die Gemeinde den über Spenden finanzierten Mitarbeiter Keyvan Yavarizadeh einstellen. Der gebürtige Perser spricht neben seiner Muttersprache arabisch, deutsch und englisch. „Mit Hilfe von Keyvan ist es uns möglich, die Flüchtlinge in ihrer ganz persönlichen Situation seelsorgerisch und tatkräftig zu begleiten“, beschrieb die Pastorin die Situation.

Wie wichtig diese Begleitung ist, wurde durch die Erzählungen der Flüchtlinge deutlich. Etwa die von Afareen. Die Volleyball-Spielerin der iranischen Nationalmannschaft trägt ein kleines Tatoo am Nacken. Seit dessen Entdeckung musste sie um ihr Leben fürchten und ist deshalb in diesem Sommer allein nach Deutschland geflohen. Oder die Geschichte von Holz-Bildhauer Farzam. Als seine Werke in Ungnade fielen, musste auch er um sein Leben fürchten und floh. Auch wenn sie jetzt erst einmal in Sicherheit sind, traumatisiert von Heimatverlust und Flucht wünschen sich die Flüchtlinge vor allem eine offene Begegnung mit Menschen aus Neumünster. „Bitte nehmen Sie uns an. Sehen Sie uns als Menschen. Vielleicht ist der Iran bald frei, und dann sind Sie herzlich willkommen“, lud eine Asylbewerberin das Publikum ein.

zur Startseite

von
erstellt am 25.Sep.2014 | 06:15 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen