Welt-Aids-Tag : Aufklärung statt Diskriminierung

Sie präsentieren den Aids-Teddy 2016 in der Beratungsstelle am Großflecken: Stadtrat Carsten Hillgruber (von links), Anna Struve, hauptamtliche Mitarbeiterin der Aids-Hilfe, der stellvertretende Vorsitzende Lothar Rucht, die erste Vorsitzende Angela Stelling und Schatzmeisterin Hildegard Welbers.
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Sie präsentieren den Aids-Teddy 2016 in der Beratungsstelle am Großflecken: Stadtrat Carsten Hillgruber (von links), Anna Struve, hauptamtliche Mitarbeiterin der Aids-Hilfe, der stellvertretende Vorsitzende Lothar Rucht, die erste Vorsitzende Angela Stelling und Schatzmeisterin Hildegard Welbers.

Anlässlich des Welt-Aids-Tags am 1. Dezember plant die Aids-Hilfe in der Stadt zwei Veranstaltungen.

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22. November 2016, 12:00 Uhr

Neumünster | „Mit HIV kann man heute leben. Mit Diskriminierung nicht.“ – Das Motto des Welt-Aids-Tags am 1. Dezember ist aktueller, als Anna Struve lieb ist. Die hauptamtliche Mitarbeiterin der Aids-Hilfe am Großflecken hat immer wieder mit Klienten zu tun, die sich aus Angst vor Ausgrenzung nicht trauen, anderen von ihrer Infektion zu erzählen. Um weiter Aufklärung zu betreiben und Vorurteile abzubauen, hat die Beratungsstelle auch in diesem Jahr zwei Veranstaltungen geplant. So wird es neben dem Adventscafé auch einen Gottesdienst zum Welt-Aids-Tag in Neumünster geben.

„Das Thema Aids ist leider aus dem gesellschaftlichen Bewusstsein verschwunden. Wir tun alles dagegen, aber es ist nicht leicht“, sagt Anna Struve, die am Großflecken als Einzelkämpferin mit einer halben Stelle die Beratungen bestreitet. Wie häufig Menschen mit HIV diskriminiert werden, weiß sie aus ihrer täglichen Arbeit. „Solche Situationen erleben die Betroffenen zum Beispiel beim Zahnarztbesuch, bei der Arbeit, in der Schule, oder auch im Umgang mit der eigenen Familie. „Ich habe einen Klienten, dessen Sohn in die Grundschule geht. Dort ist durchgesickert, dass der Vater des Jungen HIV-positiv ist. Jetzt steht die ganze Schule Kopf, und die anderen Kinder spielen nicht mehr mit ihm“, schildert Anna Struve einen Fall, der sich außerhalb Neumünsters ereignet hat.

„Eine andere Klientin brauchte eine Zahnprothese. Als der Zahnarzt herausfand, dass sie HIV-positiv ist, hat er sie gefragt, wie sie sich infiziert habe und ihr dann den letzten Termin am Abend gegeben – mit dem Hinweis, er müsse danach die komplette Praxis sterilisieren“, ergänzt die Pädagogin.

Auch Bernd Facklam, ehrenamtlicher Geschäftsführer vom Kompetenznetz Aids in Schleswig-Holstein, kennt solche Fälle und weiß: „Die Aufklärung hat immer noch nicht richtig gegriffen.“ Um das Thema weiter in den Fokus zu rücken, wird am Sonntag, 4. Dezember, um 15 Uhr ein Adventscafé in den Räumen der Aidshilfe am Großflecken 50 stattfinden. Eingeladen sind neben den Klienten und ihren Angehörigen auch alle anderen Interessierten. „Wir brauchen zudem dringend Unterstützer auf jeglichen Ebenen“, sagt Bernd Facklam.

Der Gottesdienst mit Pastor Tobias Gottesleben wird am Donnerstag, 1. Dezember, um 18 Uhr in der Vicelinkirche gefeiert. „Wir werden uns am Motto des Welt-Aids-Tages orientieren, daher wird das Thema Diskriminierung im Vordergrund stehen“, sagt Anna Struve. Gezeigt wird zudem eine szenische Darstellung, die von den ehrenamtlichen Mitarbeitern einstudiert wurde. Zudem haben Besucher die Möglichkeit, an einem Lichterbaum ein Gedenklicht für Verstorbene aufzustellen.

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