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Bilanz und Ausblick : Aufbruchstimmung in Hotels und Gaststätten

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

2015 gab es rund fünf Prozent mehr Übernachtungen in Neumünster. Die Großbaustellen und der Mindestlohn prägten das Jahr. Viele Skandinavier kommen als Gäste.

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erstellt am 21.Jan.2016 | 08:00 Uhr

Neumünster | Die meisten Hotelbetreiber in der Stadt sind zufrieden; ihre Bilanz für das Jahr 2015 fällt durchweg positiv aus. Und auch 2016 erwarten sie eine gute Auslastung. Insgesamt gab es im Vergleich zu 2014 im Zeitraum von Januar bis Oktober 2015 fünf Prozent mehr Hotelübernachtungen in Neumünster. Und auch die Gastronomie merkte Zuwächse.

Besonders geprägt war das vergangene Jahr zum einen von den großen Baustellen in der Stadt, zum anderen von der Einführung des Mindestlohns. Aber auch neue Investitionen spielten in einigen Hotels und Gaststätten eine tragende Rolle.

Zahlreiche Arbeiter, die bei der Erweiterung des Designer-Outlet-Centers (DOC) im Industriegebiet Süd und in der Holsten-Galerie tätig waren, mussten über Monate in der Stadt unterkommen. „Das hat natürlich viel zum guten Resultat beigetragen“, sagt Oliver Auch, Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Neumünster. Das sieht auch Sandra Kühl vom Hotel Kühl an der Segeberger Straße so: „Natürlich haben wir von den Bauarbeiten profitiert.“ Die 25 Zimmer waren außerdem immer besonders gefragt, „wenn in den Holstenhallen was los war. Aber das variiert natürlich übers Jahr“, sagt Sandra Kühl. Auch Oliver Auch stellt das fest: „Wenn Nordbau ist oder Pferdetage, dann ist Neumünster immer komplett ausgebucht.“

Burghard Wesselmann, Geschäftsführer vom Hotel Prisma an der Max-Johannsen-Brücke, hat 2015 durch die Großprojekte in der Stadt ebenfalls „besonders gute Übernachtungszahlen gehabt. Außerdem ist zu merken, dass das Hotel Gutsmann in Bad Bramstedt nach einem Feuer im November 2013 nach wie vor geschlossen ist. Da sind viele Gäste nach Neumünster ausgewichen“, so Wesselmann.

In den Kassen negativ bemerkbar machte sich hingegen der Mindestlohn im vergangenen Jahr. „Der ist zwar gerechtfertigt, und ich hoffe, dass alle ihn zahlen, weil es nur dann eine faire Geschichte ist. Aber die Löhne sind halt gestiegen. Und das mussten wir an die Kunden weitergeben“, erzählt Burghard Wesselmann. Dennoch sieht er keinen Negativeffekt und hofft, „dass der Gast es auch in Zukunft versteht und mitträgt“.

Auf 2016 blickt Wesselmann durchaus zuversichtlich – auch ohne Bau-Tourismus. Es gebe aber andere Perspektiven: Unter anderem machen seit einigen Jahren immer mehr Skandinavier in Neumünster Station, viele auch im Hotel Prisma. „Viele Skandinavier wollen ins DOC, übernachten hier in der Stadt und gehen ins Restaurant“, weiß Oliver Auch.

Jan Pinno, Eigentümer und Geschäftsführer des Alten Stahlwerks (200 Betten, 100 Zimmer) an der Rendsburger Straße hatte bereits Tagungsgäste aus der Holsten-Galerie und dem DOC. „Wir hatten zum Beispiel Tagungen von Niederlassungsleitern einiger Filialen bei uns“, berichtet er. Und auch Dänen machten im vergangenen Jahr gern bei ihm Station – „Pärchen und Gruppen haben bei uns zum Beispiel Silvester gefeiert“, sagt er und ist äußerst zufrieden mit 2015.

Nach den Leuten vom Bau müssen jetzt die normalen Kunden kommen – „und das tun sie durchaus“, meint der Dehoga-Chef. Grund für seine Zuversicht ist „die Aufbruchstimmung, die auch mit dem DOC und der Holsten-Galerie in die Stadt kam. „Viele haben in ihre Hotels und Restaurants investiert. Da gibt es eine Qualitätsoffensive beim Ambiente und beim Angebot. In der Gastronomie werden zum Beispiel vermehrt vegane Speisen angeboten – „das schätzen immer mehr Gäste“. Das merkt Oliver Auch in seinem neuen Restaurant Loks in Einfeld ganz deutlich.

Im Alten Stahlwerk setzt man seit 2015 neben dem Chic der alten Fabrik in der großen Erweiterung vermehrt auf das Flair der 50er-Jahre. Neben neuen Tagungsräumen in dem speziellen Stil wurde auch das zweite Restaurant „Gustavs“ entsprechend gestaltet – „und das wird gut angenommen. 50 Prozent der Gäste kommen aus Neumünster, den Rest machen Hotelgäste und Besucher aus dem Umland aus“, meint Jan Pinno.

Auch wenn 2016 die Geschäfte offenbar gut anlaufen, hat der Gaststättenverband bereits ein Problem im Blick, das er schon im kommenden Jahr auf sich zukommen sieht: „Wir werden einen Mangel an Fachkräften bekommen, denn ab 2017 droht ein Einschnitt durch die geburtenschwachen Jahrgänge. Noch haben wir zwar ausreichend Kräfte in Neumünster, aber wir machen uns schon Gedanken, wie wir zum Beispiel Flüchtlinge in unsere Bereiche einbinden können. Wie knüpft man Kontakte? Wie überwindet man Sprachbarrieren? Wie steht es um ihre Qualifikation? Da gibt es jetzt viele Fragen, die zu beantworten sind, um hier auch in Zukunft im Hotel- und Gaststättengewerbe gut aufgestellt zu sein“, sagt Oliver Auch.

 

Kommentar:

Mutige Voraussicht: Die Zahlen aus dem vergangenen Jahr machen durchaus Hoffnung. Fünf Prozent mehr Übernachtungen – das ist schon ordentlich! Doch natürlich gehen darin auch die zahlreichen Buchungen für Arbeiter auf den beiden Großbaustellen in der Stadt mit auf. Natürlich ist auch  jedem klar, dass es in naher Zukunft nicht noch einmal zwei  parallel laufende Mammut-Projekte in der Stadt geben wird, die recht einfach Geld in die Kasse spülen.   Doch darüber jammert in den Hotels und Gaststätten auch niemand. Stattdessen lassen sich offenbar viele Betreiber von der Aufbruchstimmung in der Stadt anstecken, machen sich Gedanken über attraktive Angebote für neue Kundschaft, werben im Ausland  und investieren in zeitgemäßes Ambiente. Gleichzeitig gehen sie mit der Zeit und versuchen, den Wünschen der Besucher gerecht zu werden.    Vor allem  haben sie aber auch einen Blick auf den  für all diese Projekte so wichtigen Arbeitsmarkt und schauen dabei weit über den Tellerrand hinaus.  Diese  Voraussicht ist lobenswert. Denn nur so  können Hotels und Gaststätten den Aufschwung halten.

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