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Holsteinischer Courier

18. August 2017 | 20:43 Uhr

Auf den Spuren des NS-Opfers Egon Minden

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Es ist eine nur zehn mal zehn Zentimeter große Messingplatte im Boden. Wer aufmerksam durch die Wasbeker Straße geht, findet unweit der Bücherei den Stolperstein für Egon Minden. Der Neumünsteraner Jude wurde im November 1938 während der Reichspogromnacht in sogenannte Schutzhaft genommen und nach Sachsenhausen deportiert. Hier begann seine sieben Jahre währende qualvolle Reise durch verschiedene europäische Internierungs- und Konzentrationslager, bis sie schließlich in Bergen-Belsen endete. Seit dem 7. März 1945 gilt Egon Minden als verschollen. Dass mittlerweile viel über das Schicksal des Neumünsteraners bekannt ist, ist Gerhard Scheurich (87) zu verdanken. In jahrelanger, Arbeit zeichnete er das Leben Mindens nach. Jetzt präsentierte Scheurich seine Recherchen vor 35 Gästen in der Gadelander Erlöserkirche.

Organisiert hatte den Abend Wolfgang Wittchow vom Freundeskreis der Christlichen Pfadfinderinnen und Pfadfinder. Unterstützt wurde er von Henning Möbius vom „Runden Tisch für Toleranz und Demokratie der Stadt.

„Egon Minden war in erster Linie Neumünsteraner. Er war als Jude geboren, aber die Religion spielte keine große Rolle in seinem Leben“, begann Scheurich seinen Vortrag. „Als einer der letzten Zeitzeugen ist es mir ein großes Anliegen, die mörderische Rassenpolitik der Nationalsozialisten anhand eines Einzelschicksals darzustellen.“

Und das tat der Neumünsteraner dann auch während des zweieinhalbstündigen Vortrags auf sehr eindrückliche Weise. Bewegende Briefe, die von der zunehmenden Verzweiflung Egon Mindens zeugten, präsentierte Scheurich ebenso, wie Bilder von den unmenschlichen Verhältnissen in den verschiedenen Lagern. Immer wurde die Willkür deutlich, der Egon Minden während seiner Zwangsodyssee durch Europa ausgesetzt war. Willkür, die nicht allein von staatlicher Seite kam, auch andere Institutionen unterstützten, wenn auch indirekt, die Rassenpolitik der Nazis. So war zum Beispiel von den Übergriffen in der Reichspogromnacht im Courier damals nichts zu lesen.

„Die Ausgrenzung bestimmter Bevölkerungsgruppen und die Abschiebung von Flüchtlingen gehörten damals zum politischen Konsens. Wir dürfen nicht übersehen, dass auch heute Menschen wegen ihrer Religion oder Rassenzugehörigkeit diskriminiert werden – auch von Teilen der deutschen Gesellschaft“, warnte Scheurich.


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