zur Navigation springen

Tage der Industriekultur : Auf den Spuren der Geschichte der Stadt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Neumünster beteiligte sich an den Tagen der Industriekultur. Die Teilnehmer erfuhren, dass die Schwale früher als Mülleimer diente.

Neumünster | Am Wochenende beteiligte sich Neumünster an den Tagen der Industriekultur am Wasser, die von der Metropolregion Hamburg ins Leben gerufen wurden. Am Sonnabend sammelten sich 20 Geschichtsinteressierte auf der Klosterinsel. Christiane Wilbrandt, Denkmalpflegerin der Stadt, nahm die Wissbegierigen mit auf einen interessanten Spaziergang auf den Spuren der Familie Renck.

Bevor die Rencks auf der Klosterinsel ins Spiel kamen, hatten sich Augustiner Nonnen ein Kloster dort errichtet. Die Gräben, die die Klosteranlage umschlossen hatten, sind auch heute noch gut zu erkennen. „Die Gräben haben früher auch Wasser geführt. Sie dienten damals als Schutzwall“, erzählte die Denkmalpflegerin. Aus dem Kloster, das auch mal als Zuchthaus Verwendung fand, wurde bald die Tuchfabrik der Familie Renck.

„Die Rencks und ihr Tun sind ausschlaggebend für diese Stadt“, so Wilbrandt. Die Rencks waren ganz sicher Vorreiter unter den Tuchmachern. „1824 schauten sie sich den Einsatz einer Dampfmaschine in England an und importierten unter Missachtung sämtlicher Zollvorschriften eine Dampfmaschine nach Neumünster. Die war in der Tuchfabrik auf der Klosterinsel im Einsatz“, erzählte Christiane Wilbrandt. Die Tuchfabrik Renck war damit die fortschrittlichste und größte im gesamten dänischen Königreich sowie im Herzogtum Schleswig und Holstein.

Nachdem die Fabrik von einem Feuer zerstört wurde, wurde sie neu errichtet, bis aber 1884 die Fabriktore endgültig geschlossen wurden. 1874 schenkte Hans Lorenz Renck seinen damals noch privaten Park den Bürgern der Stadt. „Man weiß nicht, warum er das tat. Während andere Fabrikanten eine Villa nach der anderen bauen ließen, machte Renck diese Schenkung“, hieß es.

Der geführte Spaziergang ging weiter zum ehemaligen Wohnhaus der Familie Renck am Großflecken 41, wo heute die Brücke Neumünster beheimatet ist. Über die Rencks Allee ging es weiter auf den Nordfriedhof zum Grabmal der Familie.

Am Sonntag setzten sich die Industriekulturtage mit einer Veranstaltung rund um das Thema Wasser fort. Stadtführerin Urte Grode hatte eine interessante Führung ausgearbeitet. Mit nur zwölf Teilnehmern war die Tour nicht so gut frequentiert wie der Spaziergang am Vortag. Urte Grode erzählte von der Schwale, die damals schimmerte wie ein bunter Regenbogen. „Was sich so romantisch anhört, ist gar nicht schön. Die Schwale diente damals nicht nur als Waschstelle, sondern auch als Riesen-Mülleimer“, berichtete sie. Sämtliche Grundstücke am Großflecken hatten damals direkten Zugang zur Schwale. Das Vieh wurde in dem Wasser ebenso gewaschen wie Kinder. Und ohne die Schwale hätte die Tuchmacherei kaum derart florieren können in Neumünster. Das fließende Wasser wurde zum Waschen, Färben und Gerben der Stoffe benötigt.

Vom Museum Tuch + Technik führte die Führung an der Schleusau vorbei, am Teichufer entlang über die Mühlenbrücke zum Waschpohl. 1918 gab es 16 Tuchfabriken mit mehr als 2000 Mitarbeitern in Neumünster. Erst 1991 machte die letzte Fabrik dicht.






zur Startseite

von
erstellt am 06.Okt.2015 | 10:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen