Nortorf : Auf dem Mittelstreifen Energie gewinnen

Der Ideengeber an seinem Modell: Im Mittelstreifen befinden sich Walzen. Die dort gewonnene Energie kann durch Erdverkabelung abtransportiert werden. Am Hang befinden sich Solarzellen.
Foto:
Der Ideengeber Rolf Becker an seinem Modell: Im Mittelstreifen befinden sich Walzen. Die dort gewonnene Energie kann durch Erdverkabelung abtransportiert werden. Am Hang befinden sich Solarzellen.

Der 77-jährige Rolf Becker hat ein Modell zur Stromgewinnung neben der Autobahn entwickelt.

von
28. Juli 2015, 12:00 Uhr

Nortorf | Warum den Wind auf der Autobahn nicht nutzen und davon profitieren? Das dachte sich Rolf Becker aus Nortorf und baute ein entsprechendes Modell. Im Mittelstreifen wächst demnach nicht Grünzeug, sondern dort stehen Walzen, die den Wind aufsaugen und letztlich Strom erzeugen.

Die Idee dazu entstand bereits vor gut 20 Jahren. „Im Fernsehen habe ich einen Bericht über Gebetsmühlen gesehen“, erläutert der 77-Jährige. „Gläubige und Besucher drehen an den Mühlen, so dass diese permanent in Betrieb sind.“ Den Wind habe man hier umsonst. Sowohl den natürlichen Wind, als auch den Sog der vorbeifahrenden Autos. Und gut 13 000 Kilometer gut vernetzte Autobahn könne man hervorragend auch als Stromnetz nutzen. Ein selbst gebautes Modell im Beckerschen Garten erklärt die Wirkung: Im Mittelstreifen befinden sich Walzen, die den Wind – sowohl den natürlichen, als auch den Fahrtwind – aufsaugen. Entweder kann dieser Wind gespeichert und über Erdverkabelung abtransportiert werden oder es wird mit einer Plattform gearbeitet, die die Walzen bis zur nächsten Autobahnbrücke miteinander verbindet. „Die könnte man dann nutzen, um den Strom vom Mittelstreifen, in den Außenbereich des Netzes zu bringen“, erläutert Rolf Becker. Auch die Seiten der Autobahn sollen nicht ungenutzt bleiben. Dort angebrachte Solarzellen könnten ebenfalls Strom erzeugen. „Und da wo es nötig ist, könnte man diese auch gleichzeitig als Lärmschutzzaun einsetzen.“

Das Modell sei flexibel und Form und Aussehen dabei noch nicht endgültig. „Der größte Pluspunkt ist natürlich, dass es auch bei Windstille geht, weil man den Sog der Autos auf jeden Fall hat“, erklärt der ehemalige Flugzeugingenieur. Man zerstöre durch die Energie-Autobahn kein zusätzliches Land, es sei keine weitere Lärmbelästigung vorhanden und die Ackerflächen könne man wieder als ursprüngliches Anbaugebiet nutzen, statt sie mit Windmühlen zu bestücken, ist sich Rolf Becker sicher. „Über den Daumen geschlagen wären Einsparungen von rund 40 Milliarden Euro möglich.“ Natürlich sei die Umsetzung erst einmal ein Kraftakt, „aber es wäre auch ein technischer Vorsprung, und wir würden uns unabhängiger von anderen Ländern machen.“ Der einzige Nachteil, den Rolf Becker sieht, ist der Elektrosmog. Große Bauarbeiten seien auch nicht nötig. Der Platz der Mittelstreifen reiche völlig aus. Die Effektivität könnte man vorerst an Autobahn-Abschnitten testen. Und auch über die Finanzierung hat sich der 77-Jährige Gedanken gemacht. „Vorstellbar wäre eine Bürgerbeteiligung mit drei Prozent Vergütung. Staatlich garantiert – so frech bin ich mal“, lacht der Ingenieur.

Das Konzept hat Rolf Becker bereits an das Bundeskanzleramt geschickt, das ihm dazu riet, die Idee an das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie weiterzuleiten.  

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen