Marktschreier : Auf dem Kleinflecken schrien sie vergeblich

Alles Käse: Frank Schmidt aus der Innenstadt kaufte bei Werner „Käse-Rudi“ Kirst einen Beutel voll Köstlichkeiten ein.
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Alles Käse: Frank Schmidt aus der Innenstadt kaufte bei Werner „Käse-Rudi“ Kirst einen Beutel voll Köstlichkeiten ein.

Die Marktschreier hatten einen schweren Stand und kamen am Wochenende wohl nicht auf ihre Kosten / Das Problem ist vermutlich der Standort

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21. Juli 2014, 07:30 Uhr

Die Gilde der Marktschreier gastierte am Wochenende auf dem Kleinflecken – und trotzdem blieb es auf dem historischen Platz fast stumm. „Stell’ dir vor, es ist Markt – und niemand geht hin“, merkte ein Passant mit einem Blick über den Platz an, denn die Besucher konnte man an einer Hand abzählen. „Ich verstehe auch nicht, warum sie sich nicht auf den Großflecken gestellt haben. Der Platz ist doch vorhanden“, kommentierte Sven Waschkau aus Tungendorf.

Er hatte bei Werner Kirst alias Käse-Rudi einen Stoffbeutel voll Käse gekauft. „Ich bin immer wieder begeistert vom Angebot der Marktschreier. Für wenig Geld ist viel zu bekommen. Ich hätte eigentlich noch mehr gekauft, aber wir fahren demnächst in den Urlaub, deshalb ist der Einkauf kleiner ausgefallen“, erzählte Sven Waschkau.

Auch Marktschreier Werner Kirst machte weniger die Wärme für die wenigen Besucher verantwortlich: „Es ist der Platz“, sagte er. Aber er habe Verständnis dafür, dass sie sich nicht unmittelbar neben dem Wochenmarkt aufstellen durften. „Wochenmarkt-Beschicker sind in der Regel nicht gut auf uns zu sprechen. Das kennen wir schon. Wer bei mir einen Beutel Käse kauft, kauft halt woanders nicht mehr ein“, erklärte der Marktschreier.

Auch am Sonntag lief das Geschäft bescheiden. Trotz der überschaubaren Besucherzahl blieb Kirst entspannt. „Das ist ein Berg und Tal, wie es andere Branchen auch kennen. Es wird der Tag kommen, an dem wir wieder Geld verdienen“, war er sich sicher. Die Öffnungszeiten hatten die Schreier an allen Tagen schon um eine Stunde verkürzt.

Courier-Kommentar:

Gut zwei Jahre nach Eröffnung des neuen Kleinfleckens kann man den Versuch  einer Bilanz wagen: Operation gelungen, Patient tot. Für 1,65 Millionen Euro haben Stadt und Land den Platz 2010/2011 umgebaut. Unser Kleinflecken ist ein wirklich schickes, städtebauliches Prachtstück mit Ausstrahlung geworden. Und er ist mausetot. Kaum jemand sitzt auf den Bänken, wenige Kinder laufen durch die Wasserspiele. Allenfalls die von der Stadt angesetzten Stoff- und sonstigen Kösten ziehen die Massen auf den Kleinflecken.   Die Marktschreier hätten natürlich  auf den Großflecken gehört, direkt neben den Wochenmarkt! Das wäre mal ein Spaß gewesen. Aber das hat wohl die Lobbyarbeit der Marktbeschicker  verhindert. Sehr schade.

Thorsten Geil


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