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Holsteinischer Courier

18. August 2017 | 22:51 Uhr

Vogelpest : Auf dem Hof herrscht große Stille

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Bis zu 1000 Enten und Gänse werden täglich auf dem Schönmoorer Hof geschlachtet. Die Belastung für die Beschäftigen ist sehr groß.

Rickling | Es ist zurzeit geradezu unheimlich still auf dem Schönmoorer Hof in Rickling. Sonst ist um diese Jahreszeit das Schnattern Tausender Enten und Gänse zu hören. Aber die Weiden sind leer, denn der Geflügelzuchtbetrieb liegt im Zusammenhang mit der immer noch um sich greifenden Geflügelpest in einer sogenannten Beobachtungszone. Dies bedeutet, dass die Tiere seit zehn Tagen nur noch im Stall gehalten werden dürfen. „Das ist auch für uns ein komischer Anblick“, erklärt der Hofbesitzer Frank Gadow (44).

Doch für den gesamten Bestand reichen die Ställe nicht aus. „Außerdem lassen sich Gänse im Gegensatz zu Enten nicht gefahrlos einstallen. Es sind absolute Schwarmtiere. Das kann zum Beispiel bedeuten, wenn sich die Tiere erschrecken und in Panik geraten, dass sie sich gegenseitig erdrücken“, erklärt Gadow. Deshalb werden zurzeit auf dem Hof mit Hochdruck bis zu 1000 Tiere täglich geschlachtet. Allein das sei für die rund 30 Beschäftigten eine große, kräftezehrende Belastung.

Dazu komme, dass für Pflege der Tiere zwei bis drei Kräfte täglich im normalen Betrieb ausfallen. „Wir müssen ja alles unter Kontrolle behalten. Dazu kommt das Misten und Füttern. Denn normalerweise wäre das Geflügel jetzt auf der Weide. Deshalb ist der Strohverbrauch enorm in die Höhe geschnellt. In der Regel komme ich mit dem eingelagerten Material bis Januar hin. Aber nun sind die Vorräte schon fast aufgebraucht. Aber ich hoffe, dass wir insgesamt glimpflich davonkommen. Schließlich hängen auch die Existenzen der Mitarbeiter daran“, sagt er.

Die Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt in Bad Segeberg laufe gut. „Dennoch ist es natürlich schwierig, alle Auflagen sofort umzusetzen. Aber wir sind gut davor und geben unser Bestes. Mit einer Entwarnung rechne ich jedoch erst ab Januar“, berichtet Gadow.

Schwierig werde sich zudem das Aufstallen im kommenden Jahr gestalten. „Denn durch die gekeulten Bestände fehlt es jetzt natürlich auch an Eiern und damit an Küken. Eigentlich gebe ich meine Bestellungen immer erst im Februar auf. Aber in diesem Jahr muss ich das deutlich vorziehen“, erklärt er.

Bei den Bestellungen der Kunden habe es bisher keine großen Einbrüche gegeben. „Wir hatten nur ein oder zwei Abbestellungen. Bei den großen Abnehmern ist das Notschlachten auf allgemeines Verständnis gestoßen. Viele davon haben größere Teilmengen bereits abgeholt und bei sich eingelagert. Und wir selbst haben zusätzliche Kühlcontainer angemietet“, beschreibt der Aufzüchter die Situation.

Allerdings hätten ihm Marktbeschicker aus dem städtischen Raum von geringeren Umsätzen berichtet. „Und es gibt zunehmend Menschen, die auch keine Eier mehr kaufen, obwohl es keinen Zusammenhang zwischen dem Ei und der Geflügelpest gibt“, erzählt er weiter. Zurückzuführen sei dies häufig auf die Unkenntnis der Verbraucher. „Die jetzige Situation macht deutlich, wie viele Verbraucher eigentlich keinen Bezug mehr zu ihren Lebensmitteln haben“, vermutet Frank Gadow. Deshalb bleibe die umfassende Information über die Krankheit weiterhin wichtig.

Im Hofladen herrscht dagegen auch dieser Tage reges Treiben. Zu den zahlreichen Kunden, die sich hier ihren Weihnachtsbraten abholen, gehört seit Jahren auch Lothar Olbrich aus
Quaal (Gemeinde Rohlsdorf). „Die Enten werden ja noch gegart. Außerdem sind das hier gesunde Tiere. Ich halte auch die zurzeit angeordneten Massenkeulereien der Bestände für übertrieben. Und den Appetit auf meine Ente lasse ich mir schon gar nicht verderben“, erklärte er.  

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