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Holsteinischer Courier

19. Oktober 2017 | 08:25 Uhr

Theater : Auf Augenhöhe mit den Schauspielern

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Neues Format will das Kammertheaterspiel in Neumünster beleben / Bühnenraum wird zur Theaterwerkstatt

von
erstellt am 28.Jan.2014 | 07:30 Uhr

Neumünsters Theatermacher schaffen einen neuen „Freiraum“: Erstmals am 18. Februar heißt es auf der Bühne des Theaters in der Stadthalle Bühne frei für ein neues Konzept, dass das Kammertheaterspiel in der Stadt neu beleben soll.

Das Novum: Wie bei der Kinobühne sitzt das Publikum – maximal 80 Personen – nicht im Zuschauersaal, sondern auf der Bühne zwischen Eisernem Vorhang und der Brandmauer, quasi auf Augenhöhe mit den Künstlern. Der Bühnenraum wird zum Experimentierfeld, zum Studio, zur Theaterwerkstatt.

Die intime Atmosphäre ganz dicht dran am Publikum soll vor allem solchen Künstlern und Produktionen ein Forum bieten, die kein großes Haus bespielen können oder ganz besonders auf den nahen Kontakt zum Zuschauer abzielen, erklärt Sünne Höhn vom Kulturbüro der Stadt das Konzept.

Dementsprechend werden im „Freiraum“ vor allem kürzere, monologische Arbeiten und Soloabende zu erleben sein, mitunter auch aus dem Kleinkunstbereich. Dabei sollen vor allem Künstler aus der Region zum Zuge kommen, hat sich Sünne Höhn vorgenommen. Auf der Zuschauerseite hofft die Theatermanagerin neben passionierten Theatergängern mit einem Faible für Innovatives auch auf jungen Theaternachwuchs, der sich im hautnahen Kontakt mit den Profis vielleicht noch etwas abschauen möchte.

Die Rahmenvoraussetzungen dafür sind nicht schlecht: Weil der „Freiraum“ mit vergleichsweise wenig technischem und organisatorischem Aufwand auskommt, kann Höhn den Theaterfreunden einen einheitlichen Schnäppchenpreis von 5 Euro anbieten. Die Tickets für die ersten drei „Freiraum“-Vorstellungen sind ab sofort im Kulturbüro am Kleinflecken, Tel. 9 42 33 16 erhältlich. Sollte das neue Theaterangebot ankommen, soll das Programm im Herbst fortgesetzt werden.

Den Start in der Freiraum-Reihe macht am 18. Februar „Hesse & Klingsor“, eine szenische Installation mit Texten von Hermann Hesse, Tschuan Tse und Li Tai Pe. Der aus Kiel stammende Schauspieler Christian Nisslmüller schlüpft dabei in die Rolle des Literaten Hermann Hesse und lotet mit Hilfe von dessen Kunstfigur Klingsor die eigene tief zerrissene Künstlerseele aus.

Etwas leichtere Kost steht am 26. März mit den „Ansichten eines Küchenmädchens“ auf dem Programm. Kati Luzi Stüdemann nimmt mit Chansons, Küchenliedern und Gedichten von Joacham Ringelnatz mit auf eine sentimental-heitere Reise in die Welt der Sehnsucht. Kartoffelschälend zeichnet sie das Bild einer jungen Frau nach, die auszieht, die Liebe zu finden. Viele junge Neumünsteraner kennen Kati Luzie Stüdemann als engagierte Theaterpädagogin aus dem „Theaterstürmer“-Projekt, im Küchenmädchen können sie die Kielerin als Schauspielerin und Sängerin erleben. Sie wird am Klavier von Michael Kallabis begleitet.

2012 hat der Kieler Autor und Dramaturg Jens Raschke ein keineswegs düsteres, aber bewegendes Stück über das Mädchen Jette geschrieben, das als Zehnjährige mit dem Tod des jüngeren Bruders konfrontiert wird. Jette stellt sich und ihren Eltern die vielleicht letzten Fragen des Lebens, auf die auch die Erwachsenen keine Antworten finden. Der Kieler Schauspielerin Bettina Storm reichen in dem poetischen, gut einstündigen Ein-Personen-Stück am 6. Mai eine Parkbank und ein Papierkorb als Bühnenrequisiten. „Schlafen Fische?“ stand zuletzt auf der Auswahlliste für den Deutschen Kindertheaterpreis, ist aber durchaus ein Stück (auch) für Erwachsene.

Alle drei „Freiraum“-Vorstellungen beginnen um 20 Uhr. Wie bei der Kinobühne erreichen die Zuschauer über den Künstlereingang des Theaters ihre Plätze auf der Bühne.

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