Seniorenmagazin : Auch wir Alten sind Verkehrssünder

Auf dem Gehweg bewegt man sich sicher, aber viele ältere Menschen überqueren die Straße nicht dort, wo Überwege sind.
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Auf dem Gehweg bewegt man sich sicher, aber viele ältere Menschen überqueren die Straße nicht dort, wo Überwege sind.

Gerade bei Menschen mit Rollatoren beobachte ich oft leichtsinnige Aktionen.

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30. Januar 2015, 11:15 Uhr

Neumünster | Oft schimpfen ältere Menschen auf die jüngere Generation, weil diese sich nicht um gesellschaftliche Konventionen schert, sich undiszipliniert verhält, keine Achtung vor Gesetzen hat und sich oft unmöglich verhält. Sie zeigen mit dem Finger auf die jungen Leute. Dabei sollte man nicht vergessen, dass drei Finger einer Hand auf einen selbst gerichtet sind, wenn man mit dem Finger auf andere zeigen.

Wenn ich so etwas behaupte, muss ich auch den Beweis dafür antreten. Ich versuche es mit der Verkehrsdisziplin. Dabei bleibt schon einmal grundsätzlich festzustellen, dass zum Beispiel Radfahrer ihre eigene Straßenverkehrsordnung haben. Sie fahren verbotenerweise auf der falschen Straßenseite oder auch auf dem Fußweg und gefährden damit sich selbst und andere. Fußgänger gehen bei Rot über die Straße. Auch Autofahrer halten sich nicht an die Verkehrsregeln. Sie fahren in 30-Kilometer-Zonen zu schnell, fahren zu dicht auf und zeigen oft ihre Richtungsänderungen nicht rechtzeitig oder auch gar nicht an. Unter uns Älteren ist man ganz schnell der Auffassung, dass diese Verkehrsübertretungen nur den Jüngeren anzulasten sind. Dies trifft nicht zu, die ältere Generation ist genauso verhaltensauffällig wie die jüngere.

Vollkommen unverständlich sind dann aber die selbstgefährdenden Verhaltensweisen älterer Menschen. Je älter ich werde, umso mehr bin ich der Auffassung: Der Himmel kann noch warten. Aufgrund unseres Alters und damit meist auch Rentendaseins haben wir Zeit. Wir müssen nicht hetzen, wir können uns in Ruhe und mit der nötigen Gelassenheit auf den täglichen Weg machen. Unsere Zeit können wir langfristig planen, und wir müssen auch nicht jeden Termin einhalten. Die Zeiteinteilung bestimmen wir.

Eine schlechte Zeiteinteilung und die dabei dann auftretende Selbstgefährdung führen zu erkennbarem Fehlverhalten. Meine Beobachtungen an der Boostedter Straße haben ergeben, dass immer wieder ältere Menschen mit Rollatoren über eine der meistbefahrenen Straßen Neumünsters gehen, obwohl nur wenige Meter neben der Bushaltestelle eine Ampelanlage zum ungefährdeten Übergang einlädt. Die Geduld des Himmels wird hier doch sehr strapaziert! Diese Situation wiederholt sich nach meinen bisherigen Beobachtungen täglich. Warum eigentlich? Wir haben doch Zeit, und wir wollen doch auch gegenüber der jüngeren Generation Vorbild sein.

Geben wir uns das gemeinsame Versprechen, wir halten uns ab sofort an bestimmte Regeln, damit wir Oldies uns nicht selbst oder andere durch einen Verkehrsunfall erheblich gefährden. Wir haben noch Wichtiges zu erledigen, erteilen wir dem lieben Gott vorerst noch eine Absage!

Anmerkung: Das beschriebene Verhalten an der Boostedter Straße wollte ich mit einem Foto dokumentieren, hatte aber dabei keinen Erfolg. In einem Fall gingen zwei Damen mit Rollator brav zur Ampelanlage und überquerten die Straße gefahrlos. Vielleicht auch einer der Gründe, warum Frauen länger leben als wir Männer.
 

Das gesamte Seniorenmagazin finden Sie im Courier vom 30. Januar 2015.

 

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