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Flüchtlinge : Auch im kleinsten Dorf wird Wohnraum gesucht

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Noch gibt es Gemeinden, die keine Flüchtlinge aufgenommen haben . Die Ämter brauchen dringend Wohnraum.

Boostedt/Wankendorf | Bordesholm (90, siehe Tabelle unten), Großenaspe (60) und Wankendorf (49) sind „Spitzenreiter“, was die Unterbringung von Flüchtlingen in den Gemeinden rund um Neumünster angeht. Auch in Kleinkummerfeld (10) und Rickling (20) wohnen Schutzsuchende, obwohl im Amt Boostedt-Rickling keine weiteren Menschen aufgenommen werden müssen, weil es in Boostedt bereits die Erstaufnahme mit bald 2000 Asylsuchenden gibt. Die Ämter halten händeringend nach Wohnraum Ausschau – auch in kleinen Gemeinden.

Bisher hatte man in den Ämtern möglichst versucht, die Menschen so unterbringen, dass sie an ihrem neuen Wohnort eine Anbindung an größere Orte haben oder sich in der Gemeinde versorgen können. Doch in Großenaspe gibt es zurzeit zum Beispiel keine Objekte mehr. „Es wird langsam eng“, sagt Sven Klinger vom Amt Bad Bramstedt-Land, zu dem Großenaspe gehört. „Wir akquirieren in alle Richtungen und haben im ganzen Amt Zettel verteilt, um Wohnraum und ehrenamtliche Helfer zu finden.“ Was man auf die Beine stellen kann, zeigen zum Beispiel die Wasbeker: In der Gemeinde leben zurzeit 28 Flüchtlinge. 14 davon nahmen an einer Brandschutzschulung teil.

Ralf Bretthauer, Verwaltungsleiter im Amt Bokhorst-Wankendorf, gibt zu bedenken, dass nicht jeder Wohnraum geeignet sei. Doch die Hilfsbereitschaft nehme Fahrt auf. In Rendswühren beispielsweise laufen Verhandlungen, Flüchtlinge unterzubringen. Am Montag, 19. Oktober, lädt Jörg Engelmann, Amtsvorsteher für Bokhorst-Wankendorf, um 20 Uhr zu einer Versammlung in Schlüters Gasthof ein. Er möchte die Bürger sensibilisieren, um Zimmer oder Ferienwohnungen zur Verfügung zu stellen. „Ich möchte an diesem Abend auch Flüchtlinge zu Wort kommen lassen, um zu zeigen, dass sich hinter der anonymen Masse viele Menschen verbergen, die dringend unsere Hilfe benötigen“, sagt Engelmann.

Auch die Preise spielen bei der Suche nach Wohnraum eine Rolle. So seien in Padenstedt, Arpsdorf und Ehndorf bisher noch keine Flüchtlinge untergebracht, weil die Preise im Umland von Neumünster höher seien als in anderen Gemeinden des Amtes Mittelholstein, wie Amtsdirektor Stefan Landt berichtet. Doch die kleinen Dörfer müssen angesichts der täglich steigenden Zahlen unterzubringender Menschen mit in Betracht gezogen werden. „Lieber jwd ein Dach über dem Kopf als zentral im Zelt wohnen“, sagt Stefan Landt angesichts der Lage.

Im Kreis Rendsburg-Eckernförde denkt man bereits über Massenunterkünfte nach. Landrat Dr. Rolf-Oliver Schwemer geht derzeit davon aus, dass in den Gemeinden des Kreises bis Jahresende 5000 Flüchtlinge untergebracht werden müssen. Zuletzt war die Verwaltung noch von bis zu 3000 Menschen ausgegangen. Bei dieser Größenordnung sei die dezentrale Unterbringung noch möglich gewesen, sagte gestern Hans Kaack, Kreisverbandsvorsitzender des Gemeindetags. „Wir sind am Rande unserer Möglichkeiten“, so Kaack. Dabei ist noch nicht einmal ein Drittel der angekündigten Flüchtlinge aufgenommen worden. Bislang sind 1554 Menschen untergekommen, im Amt Mittelholstein zum Beispiel 164. Nach der neuesten Prognose muss das Amt insgesamt 470 Menschen aufnehmen. Der große Ansturm kommt in allen Städten, Ämtern und amtsfreien Gemeinden noch in den letzten drei Monaten des Jahres. „Deshalb müssen wir zu zentralen Lösungen übergehen, etwa auf Turnhallen oder andere öffentliche Gebäude zurückgreifen, um Obdachlosigkeit zu verhindern“, sagt Rolf-Oliver Schwemer. Auch Dorfgemeinschaftshäuser könnten für den Zweck verwendet werden.

Die Integration könne nur gelingen, wenn das Engagement vor Ort gestärkt werde, erklärt Hans Kaack. „Dazu zählt auch die finanzielle Ausstattung“, sagt er. Auch dem Gemeindetag bereite es „große Kopfschmerzen“, kommunale Gemeinschaftsräume für die Unterbringung von Flüchtlingen zu nutzen. Er stellt aber auch klar: „Wir müssen über den Winter kommen.“

 

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erstellt am 08.Okt.2015 | 15:00 Uhr

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